Die Afrikanische Schweinepest ist in diesem Sommer wieder ein Stück weiter gewandert. Ende Juli 2026 hat Finnland den ersten Nachweis bei Wildschweinen gemeldet, in Italien verzeichnet die Toskana das bislang stärkste Seuchengeschehen des Jahres, und auch in Deutschland ist die Lage nicht ausgestanden. Für Jägerinnen und Jäger ist das keine ferne Nachricht aus der Agrarpolitik, sondern eine Frage der täglichen Revierpraxis: Wer im Spätsommer und Herbst auf Sauen jagt, ist der wichtigste Frühwarnmelder, den dieses Land hat. Dieser Beitrag ordnet die aktuelle Lage ein und zeigt, worauf es jetzt im Revier ankommt.
Finnland: Erstnachweis an der Grenze zu Russland
Am 30. Juli 2026 hat die finnische Lebensmittelbehörde bei drei tot aufgefundenen Wildschweinfrischlingen einen vorläufigen ASP-Nachweis festgestellt. Es war der erste Nachweis des Virus in Finnland überhaupt. Ein Anwohner der ostfinnischen Gemeinde Virolahti hatte die Überreste der drei Frischlinge innerhalb eines Umkreises von nur 500 Metern gefunden und die Tiere unverzüglich der Behörde übergeben. Der Fundort liegt wenige Kilometer von der Landesgrenze zu Russland entfernt. Die endgültige Bestätigung durch das EU-Referenzlabor in Spanien stand zum Zeitpunkt der Meldung noch aus.
Die Behörden reagierten sofort: Um den Fundort wurde eine Infektionszone eingerichtet und die Verbringung von Schweinen dort eingeschränkt. Die Sperrzone erstreckt sich über die Gemeinden Virolahti und Miehikkälä sowie Teile der Stadt Lappeenranta. Parallel wurden die Schweinefleischexporte nach Japan, China, Singapur und Taiwan mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Finnland exportiert nach Behördenangaben jährlich Schweinefleisch im Wert von rund 74 Millionen Euro in Märkte außerhalb der EU.
Bemerkenswert ist die Ausgangslage: Nach Angaben des finnischen Instituts für Naturressourcen gab es Anfang Januar 2026 schätzungsweise nur rund 2.380 Wildschweine im ganzen Land. Ein derart dünner Bestand ist einerseits eine Chance, weil sich das Virus schwerer von Stück zu Stück überträgt. Andererseits zeigt der Fall genau das, was Seuchenexperten seit Jahren betonen: Die ASP springt nicht nur entlang der Wanderbewegungen des Schwarzwilds, sondern in Sprüngen über hunderte Kilometer, meist entlang menschlicher Verkehrswege. Ein kleiner Bestand schützt nicht vor dem Eintrag.
Das ASP-Virus ist außerordentlich umweltstabil. Es überdauert Wochen bis Monate in Blut, Gewebe und rohen Fleischerzeugnissen und übersteht Pökeln, Räuchern und Einfrieren. Ein weggeworfenes Wurstbrot am Rastplatz reicht als Eintragsquelle. Deshalb tauchen neue Ausbrüche regelmäßig weit entfernt vom bekannten Seuchengebiet auf, statt sich als geschlossene Front zu bewegen.
Italien: Rekordzahlen in der Toskana
Deutlich anders sieht das Bild im Süden Europas aus. Nach einem Bericht von Euronews vom 19. August 2026 haben die Behörden in der Toskana seit dem 1. Januar 2026 insgesamt 638 infizierte Wildschweine erfasst. Das ist der höchste Wert, den eine italienische Region in diesem Jahr meldet. Italien kämpft seit 2022 mit der ASP, und die Toskana hat sich innerhalb weniger Jahre vom Randgebiet zum Schwerpunkt entwickelt.
Für deutsche Jäger ist das vor allem in einer Hinsicht relevant: Die Toskana ist ein beliebtes Reise- und Jagdziel. Wer aus einem Restriktionsgebiet zurückkehrt, bringt potenziell Virusmaterial an Schuhen, Fahrzeugreifen, Hundedecken oder in mitgebrachten Fleischerzeugnissen mit. Das gilt genauso für Auslandsjagden in Osteuropa oder auf dem Balkan.
Deutschland: kein Grund zur Entwarnung
Auch hierzulande läuft das Geschehen weiter. Nach den Zahlen des Friedrich-Loeffler-Instituts waren mit Stand 21. August 2026 seit Ausbruchsbeginn 9.266 mit ASP infizierte Wildschweine in Deutschland bestätigt. Betroffen waren bisher Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In Nordrhein-Westfalen wurde das erste infizierte Wildschwein am 14. Juni 2025 bestätigt.
Gleichzeitig gibt es echte Erfolge. In Brandenburg und Sachsen konnten Restriktionszonen deutlich verkleinert werden, nachdem die Tilgungsmaßnahmen bei Wildschweinen gegriffen hatten. Genau deshalb war der Fall in der Uckermark am 8. Juli 2026 so ernüchternd: Nach über einem Jahr ohne Feststellung wurde die Tierseuche dort erneut bei einem Wildschwein nachgewiesen. Die Botschaft daraus ist unangenehm, aber wichtig: Eine Region gilt erst dann wirklich als frei, wenn über einen langen Zeitraum konsequent gesucht und untersucht wurde, und selbst dann kann ein neuer Eintrag alles zurückwerfen.
Findest du ein verendetes oder auffällig krankes Stück Schwarzwild, gilt unabhängig vom Bundesland dieselbe Reihenfolge: nicht bewegen, nicht aufbrechen, Fundort und Uhrzeit genau festhalten, Foto machen und umgehend das zuständige Veterinäramt informieren. Auch Fallwild an Bahnstrecken, Autobahnen und Rastplätzen gehört gemeldet. Wer selbst Hand anlegt, kann Virusmaterial verschleppen und macht die spätere Abklärung schwieriger.
Was das für die kommende Jagdsaison heißt
Der Spätsommer ist die Phase, in der die Schwarzwildjagd Fahrt aufnimmt. Der Mais wird geerntet, die Sauen verlieren ihre Deckung, und ab Oktober beginnt vielerorts die Bewegungsjagdsaison. Genau in diesen Wochen entscheidet sich, wie gut ein Land seuchenmäßig aufgestellt ist. Drei Dinge sind dabei besonders wichtig.
1. Fallwildsuche ist keine Nebensache
Die ASP wird fast immer über Fallwild entdeckt, nicht über erlegte Stücke. Wer regelmäßig durch sein Revier geht und dabei bewusst auf Kadaver achtet, insbesondere an Suhlen, Gewässerrändern, in Dickungen und entlang von Verkehrswegen, leistet den wirksamsten Beitrag zur Früherkennung. In vielen Landkreisen gibt es Aufwandsentschädigungen für gemeldetes Fallwild. Erkundige dich, wie das bei dir geregelt ist.
2. Biosicherheit im Alltag
Die Kette vom Revier zum Hausschweinbestand ist kürzer, als viele denken. Sie läuft über Stiefel, Fahrzeuge, Hunde, Messer und Kühlkammern. Reinige Schuhwerk und Ausrüstung nach jedem Revierbesuch, halte Aufbruch und Decken von landwirtschaftlichen Betrieben fern, entsorge Aufbruch nur so, wie es dein Bundesland vorschreibt, und nimm nach Auslandsjagden keine rohen Fleischerzeugnisse mit. Wer selbst Schweine hält oder auf einem Betrieb wohnt, sollte Jagdkleidung strikt vom Stallbereich trennen.
3. Trichinenprobe und Dokumentation konsequent
Jedes erlegte Stück Schwarzwild ist ohnehin trichinenuntersuchungspflichtig. In Restriktionsgebieten kommt in aller Regel eine verpflichtende ASP-Beprobung hinzu. Beide Prozesse leben von einer sauberen, eindeutigen Zuordnung: welches Stück, welcher Fundort, welche Wildmarke, welche Probennummer. Genau hier gehen in der Praxis die meisten Reibungsverluste verloren, wenn Zettel im Auto liegen bleiben oder Nummern doppelt vergeben werden.
Leg dir jetzt, vor Beginn der Bewegungsjagdsaison, drei Dinge zurecht: die Telefonnummer deines zuständigen Veterinäramts im Handy, eine Handvoll Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel im Rucksack sowie eine klare Absprache im Revier, wer Fallwildfunde meldet und dokumentiert. Im Ernstfall zählen Stunden, nicht Tage.
Warum die Bejagung trotzdem waidgerecht bleiben muss
In der Diskussion um die ASP rutscht schnell der Ton ins Militärische: Bestände seien zu reduzieren, Strecken zu maximieren. Das ist verständlich, greift aber zu kurz. Eine hohe Schwarzwildstrecke ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um die Kontaktrate zwischen den Stücken zu senken und die Seuchendynamik zu bremsen. Wirksam wird sie nur, wenn sie richtig ansetzt: bei Frischlingen und Überläufern, unter Schonung der führenden Bachen, mit sicherem Kugelfang und mit ausreichend Nachsuchenkapazität.
Wer aus Seuchendruck den Anspruch an die eigene Jagd senkt, verliert am Ende doppelt. Schlecht getroffene Stücke, die krank abwandern, sind epidemiologisch das Gegenteil von hilfreich, und Unruhe im Revier treibt Rotten in Nachbarreviere und über Landkreisgrenzen. Ruhe, Planung und abgestimmte Ansitz- und Bewegungsjagden bringen mehr als jede Hektik. Wie Erntejagden auf Schwarzwild sauber vorbereitet werden, haben wir in einem eigenen Beitrag zur Erntejagd beschrieben, die Regeln für Gesellschaftsjagden findest du im Artikel zur UVV Jagd.
Die ASP wird nicht am Schießstand entschieden, sondern durch den, der beim Revierrundgang stehen bleibt, weil da hinten im Schilf etwas liegt.
Fallwild und Strecke sauber dokumentieren: so unterstützt dich Waidly
Früherkennung ist am Ende eine Dokumentationsaufgabe. Entscheidend ist, dass ein Fund mit Ort, Zeit und Zustand festgehalten wird, bevor das Handy wieder in der Tasche verschwindet. Genau dafür ist Waidly gebaut: Du erfasst einen Eintrag direkt draußen, der Standort wird per GPS übernommen, und du kannst Fotos und Notizen anhängen. So hast du dem Veterinäramt gegenüber sofort eine belastbare Angabe statt einer ungefähren Beschreibung.
Für die Streckenführung gilt dasselbe. Jedes erlegte Stück landet mit Wildart, Alter, Geschlecht, Gewicht, Ort und Datum in der digitalen Streckenliste, samt der Angaben, die du für Wildursprungsschein und Trichinenprobe brauchst. Über die Statistiken siehst du, wie sich deine Schwarzwildstrecke gegenüber den Vorjahren entwickelt, wo im Revier die Schwerpunkte liegen und wie sich Erntejagden ausgewirkt haben. Und weil alles automatisch gesichert wird, ist die Saison auch dann noch nachvollziehbar, wenn der Notizzettel längst verloren ist.
Streckeneintrag mit GPS-Standort, Foto und Notiz direkt am Stück, alle Angaben für Wildursprungsschein und Trichinenprobe an einem Ort, Auswertung der Schwarzwildstrecke im Jahresvergleich und automatisches Backup. Mehr dazu auf unserer Seite zum digitalen Jagdtagebuch.
Jeden Fund und jedes Stück sauber belegt
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