Jagdwissen

Büchsenlicht, Was es ist und wie man es berechnet

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Wann darf ich eigentlich schießen? Diese Frage stellt sich jeder Jäger, der in der Dämmerung auf dem Hochsitz sitzt. Die Antwort liegt im sogenannten Büchsenlicht, einem der wichtigsten Begriffe der Jagdpraxis. Wer es nicht kennt oder falsch einschätzt, riskiert nicht nur einen Verstoß gegen das Jagdrecht, sondern vor allem die Sicherheit.

"Büchsenlicht ist nicht der Moment, in dem man etwas sieht, sondern der Moment, in dem man sicher ansprechen und treffen kann."

Was ist Büchsenlicht?

Als Büchsenlicht bezeichnet man die Zeitspanne, in der das natürliche Tageslicht ausreicht, um Wild sicher ansprechen und einen waidgerechten Schuss abgeben zu können. Es beginnt morgens vor dem Sonnenaufgang und endet abends nach dem Sonnenuntergang.

Konkret umfasst das Büchsenlicht die Phase der bürgerlichen Dämmerung (auch zivile Dämmerung genannt). In dieser Zeit steht die Sonne maximal 6 Grad unter dem Horizont. Es ist noch nicht vollständig hell bzw. noch nicht vollständig dunkel, aber das Restlicht reicht aus, um Konturen, Wildarten und Merkmale zu erkennen.

In der Praxis bedeutet das: Das Büchsenlicht beginnt morgens etwa 30 bis 40 Minuten vor Sonnenaufgang und endet abends etwa 30 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang. Die genaue Dauer variiert jedoch stark nach Jahreszeit und Standort.

Rechtliche Grundlage: §19 BJagdG

Die Jagd darf in Deutschland grundsätzlich nur bei ausreichendem Tageslicht ausgeübt werden. Die zentrale Rechtsgrundlage ist §19 Abs. 1 Nr. 4 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG), der die Schussabgabe bei Dunkelheit zu den sachlichen Verboten zählt.

§19 BJagdG, Sachliche Verbote

Verboten ist es, Wild in der Notzeit in unmittelbarer Nähe von Fütterungen zu erlegen, sowie auf Wild zur Nachtzeit zu schießen. Als Nachtzeit gilt die Zeit von eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang bis eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang. Die Nachtzeit beginnt und endet in der Praxis deutlich nach bzw. vor dem Ende des Büchsenlichts, der Gesetzgeber hat hier also einen Puffer eingebaut.

Wichtig: Das Gesetz definiert die Nachtzeit als den Zeitraum von 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang bis 1,5 Stunden vor Sonnenaufgang. In dieser Zeit ist die Jagd grundsätzlich verboten. Das Büchsenlicht endet in der Praxis allerdings schon früher, in der Regel etwa 30 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang. Die gesetzliche Nachtzeit-Definition gibt also mehr Spielraum als das tatsächliche Licht. Als verantwortungsvoller Jäger orientierst du dich daher immer am tatsächlich verfügbaren Licht, nicht an der gesetzlichen Maximalzeit.

Ausnahmen: Nachtjagd

Es gibt Ausnahmen vom Verbot der Nachtjagd. Die Landesjagdgesetze können unter bestimmten Voraussetzungen die Jagd bei Nacht erlauben, insbesondere:

  • Schwarzwild: In vielen Bundesländern ist die Jagd auf Wildschweine auch zur Nachtzeit erlaubt oder kann behördlich genehmigt werden, häufig in Verbindung mit Nachtsichttechnik
  • Raubwild: Teilweise ist die Fallenjagd auch nachts gestattet
  • Wildschadensverhütung: Bei erheblichen Wildschäden können Sondergenehmigungen für die Nachtjagd erteilt werden

Diese Ausnahmen sind jedoch an strenge Auflagen gebunden und variieren von Bundesland zu Bundesland. Im Zweifelsfall gilt: Ohne ausdrückliche Genehmigung nur bei Büchsenlicht jagen.

Wie wird Büchsenlicht berechnet?

Die Berechnung des Büchsenlichts basiert auf astronomischen Daten. Entscheidend ist die bürgerliche Dämmerung (englisch: civil twilight). Sie wird durch den Sonnenstand definiert:

  • Morgendämmerung: Beginnt, wenn die Sonne 6 Grad unter dem Horizont steht, und endet mit dem Sonnenaufgang
  • Abenddämmerung: Beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet, wenn die Sonne 6 Grad unter den Horizont sinkt

Während der bürgerlichen Dämmerung ist es hell genug, um im Freien ohne künstliche Beleuchtung zu lesen. Für die Jagd bedeutet das: Man kann Wildkörper, Geweih und Gehörn sowie die Umgebung ausreichend erkennen, um einen sicheren Schuss abzugeben.

Faustregel für die Praxis

Büchsenlicht beginnt morgens ca. 30-40 Minuten vor Sonnenaufgang und endet abends ca. 30-40 Minuten nach Sonnenuntergang. Die genaue Dauer hängt von Jahreszeit, geografischer Breite und Wetterbedingungen ab. Bei bedecktem Himmel, Regen oder Nebel kann das nutzbare Licht deutlich kürzer sein.

Unterschiede nach Jahreszeit

Die Dauer des Büchsenlichts schwankt im Laufe des Jahres erheblich. Der Grund: Je flacher die Bahn der Sonne über den Horizont verläuft, desto länger dauert die Dämmerungsphase. Im Sommer steht die Sonne flacher zum Horizont als im Winter, was zu deutlich längeren Dämmerungszeiten führt.

Monat Büchsenlicht morgens (ca.) Büchsenlicht endet (ca.) Dämmerungsdauer
Januar 07:30 17:00 ca. 33 Min
März 06:00 19:00 ca. 35 Min
Juni 04:00 22:00 ca. 42 Min
September 06:10 20:00 ca. 36 Min
Dezember 07:30 16:40 ca. 32 Min

Beispielwerte für Mitteldeutschland (ca. 50° N). Alle Zeitangaben sind Richtwerte und können je nach genauem Standort abweichen.

Besonders auffällig: Im Juni kann das Büchsenlicht bereits um 4:00 Uhr morgens beginnen, während es im Dezember erst gegen 7:30 Uhr hell genug wird. Abends endet es im Sommer erst gegen 22:00 Uhr, im Winter dagegen schon um 16:40 Uhr. Das ergibt im Sommer bis zu 18 Stunden nutzbares Jagdlicht, im Winter dagegen nur etwa 9 Stunden.

Unterschiede nach Standort

Neben der Jahreszeit spielt auch der Breitengrad eine Rolle. Deutschland erstreckt sich von etwa 47° N (Alpenrand) bis 55° N (Nordseeküste). Das macht sich bei den Büchsenlicht-Zeiten bemerkbar:

  • Norddeutschland (z.B. Flensburg, 54,8° N): Im Sommer extrem lange Dämmerung, die bürgerliche Dämmerung kann über 45 Minuten dauern. Im Juni wird es nachts kaum richtig dunkel. Dafür sind die Wintertage deutlich kürzer.
  • Süddeutschland (z.B. München, 48,1° N): Gleichmäßigere Verhältnisse. Die Dämmerung ist kürzer als im Norden, dafür sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter weniger extrem.
Gut zu wissen

Der Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland kann im Sommer bis zu 15 Minuten betragen, morgens beginnt das Büchsenlicht im Norden früher, abends endet es später. Im Winter kehrt sich der Effekt teilweise um: Die kürzeren Tage im Norden bedeuten weniger Büchsenlicht insgesamt.

Auch die Geländebeschaffenheit spielt praktisch eine Rolle: In engen Tälern, an Nordhängen oder in dichten Wäldern wird es schneller dunkel als auf offenen Flächen oder Anhöhen. Die astronomisch berechneten Zeiten gelten für den freien Horizont, im Revier muss man entsprechend Abzüge machen.

Warum Büchsenlicht so wichtig ist

Das Einhalten der Büchsenlicht-Zeiten ist nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern vor allem eine Frage der Sicherheit und Waidgerechtigkeit:

Sicherheit

Bei schlechten Lichtverhältnissen steigt das Risiko eines Fehlschusses erheblich. Der Kugelfang ist schwerer einzuschätzen, Hindernisse und Personen im Hintergrund sind nicht erkennbar, und die Treffpunktlage leidet. Ein Schuss in der Dunkelheit kann fatale Folgen haben.

Sicheres Ansprechen

Wildart, Geschlecht und Alter müssen vor dem Schuss zweifelsfrei bestimmt werden. Im Halbdunkel wird aus dem vermeintlichen Überläufer schnell eine führende Bache, aus dem Schmalreh ein Bockkitz. Wer nicht sicher ansprechen kann, darf nicht schießen, so einfach ist das.

Waidgerechtigkeit

Eine waidgerechte Jagd setzt voraus, dass der Schuss sicher und tierschutzgerecht abgegeben wird. Dazu gehört ausreichend Licht. Ein krankgeschossenes Stück in der Dunkelheit nachzusuchen ist ungleich schwieriger und bedeutet unnötiges Leid für das Wild.

"Im Zweifel den Finger gerade lassen. Ein verpasstes Stück Wild kommt morgen wieder, ein Fehlschuss in der Dämmerung lässt sich nicht rückgängig machen."

Praktische Tipps für den Ansitz in der Dämmerung

  • Früh genug auf dem Sitz sein: Plane mindestens 30 Minuten vor Beginn des Büchsenlichts ein. So hast du Zeit, dich einzurichten, ohne Wild zu vergrämen. Und oft steht das erste Stück schon auf der Wiese, bevor du es erwartest.
  • Fernglas mit hoher Dämmerungsleistung: Ein gutes Fernglas mit großer Austrittspupille (z.B. 8x56 oder 7x50) kann in der Dämmerung den Unterschied machen. Die Dämmerungszahl sollte mindestens 20 betragen.
  • Zielfernrohr: Achte auf ein lichtstarkes Zielfernrohr mit großem Objektivdurchmesser. Ein Leuchtpunkt kann helfen, das Absehen in der Dämmerung schneller zu finden.
  • Büchsenlicht-Zeiten kennen: Informiere dich vor jedem Ansitz über die aktuellen Zeiten für deinen Standort. Verlasse dich nicht auf das Gefühl, die Wahrnehmung trügt in der Dämmerung.
  • Abends rechtzeitig abbauen: Plane den Abstieg vom Hochsitz so, dass du noch sicher laufen kannst. Eine Rotlicht-Taschenlampe stört weniger als weißes Licht.
  • Wetter beachten: Bei bedecktem Himmel, Regen oder Nebel verkürzt sich das nutzbare Büchsenlicht deutlich. Passe deine Einschätzung an die tatsächlichen Sichtverhältnisse an.

Dämmerungsleistung berechnen

Die Dämmerungszahl eines Fernglases berechnet sich als Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser. Ein 8x56 hat eine Dämmerungszahl von 21,2, ein 10x42 dagegen nur 20,5. Für die Jagd in der Dämmerung ist eine Dämmerungszahl von mindestens 16, besser 20 oder mehr empfehlenswert.

Büchsenlicht-Zeiten immer dabei: Waidly

Die Büchsenlicht-Zeiten täglich nachzuschlagen ist umständlich. Genau dafür gibt es Waidly: Die App berechnet die Büchsenlicht-Zeiten automatisch für deinen aktuellen Standort, sekundengenau und astronomisch korrekt.

  • Echte bürgerliche Dämmerung: Waidly berechnet das Büchsenlicht aus dem tatsächlichen Sonnenstand (6° unter dem Horizont) für deinen Ort und Tag, statt einer pauschalen ±1,5-Stunden-Faustregel. Der gesetzliche Rahmen der Nachtzeit wird dabei eingehalten.
  • Standortbasiert: Büchsenlicht-Zeiten werden für deinen exakten Standort berechnet, nicht für eine pauschale Region
  • 7-Tage-Vorschau: Plane deine Ansitze für die gesamte Woche im Voraus
  • Home Screen Widget: Büchsenlicht-Zeiten direkt auf dem Sperrbildschirm, ohne die App öffnen zu müssen
  • Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und Dämmerungsphasen auf einen Blick
  • Offline verfügbar: Funktioniert auch im Revier ohne Mobilfunkempfang
Tipp: Büchsenlicht-Widget

Mit dem Waidly Home Screen Widget siehst du die Büchsenlicht-Zeiten für heute direkt auf deinem iPhone-Sperrbildschirm. So weißt du beim Blick auf die Uhr sofort, ob es sich noch lohnt, auf den Hochsitz zu gehen, ohne eine App zu öffnen.

Fazit

Büchsenlicht ist weit mehr als ein romantischer Jägerbegriff. Es ist eine Grundlage sicherer und waidgerechter Jagdausübung. Wer die Zeiten kennt, rechtzeitig auf dem Sitz ist und sich an das tatsächlich verfügbare Licht hält, jagt verantwortungsvoll, und in der Regel auch erfolgreicher.

Denn die besten Momente auf dem Ansitz spielen sich genau in diesen Minuten der Dämmerung ab: wenn das erste Stück auf die Wiese zieht und das Licht gerade reicht, um sicher zu entscheiden.

Waidmannsheil!

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