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Dürre 2026: Bis zu 30 Prozent Kitzverluste und was das für deine Abschussplanung heißt

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Wer diesen Sommer im Revier unterwegs war, hat es an den Suhlen, an den Gräben und am Zustand der Feldflur gesehen: Es fehlt schlicht Wasser. Der Bayerische Jagdverband hat Mitte August 2026 Zahlen dazu genannt, die aufhorchen lassen. In einigen Regionen Bayerns sollen bis zu 30 Prozent der Rehkitze an den Folgen von Hitze und Trockenheit verendet sein. Das ist kein Randthema, sondern ein Ausfall, der eine ganze Nachwuchsgeneration betrifft und der bis in die Abschussplanung der nächsten Jahre hineinwirkt. Dieser Beitrag ordnet die Meldung ein und zeigt, was du im eigenen Revier praktisch tun kannst.

Was der BJV meldet

Nach Einschätzung des Bayerischen Jagdverbands gefährdet die anhaltende Dürre nicht nur den Wald und seine natürliche Verjüngung, sondern das gesamte Ökosystem. Besonders betroffen sind heimische Wildtiere, und der genannte Wert von bis zu 30 Prozent verendeten Rehkitzen in einzelnen Regionen ist der drastischste Ausdruck davon.

Neben dem Rehwild trifft es die Bodenbrüter. Kiebitz, Rebhuhn und Fasan leiden unter den außergewöhnlich trockenen Bedingungen, weil ihnen zugleich Wasser und Nahrung fehlen. Die Aufzucht des Nachwuchses wird schwieriger, und die Verluste können sich langfristig auf die Bestände auswirken. Gerade beim Rebhuhn, das ohnehin unter Druck steht, wiegt ein schlechter Jahrgang schwer.

Warum Kitze bei Trockenheit besonders leiden

Rehkitze decken ihren Flüssigkeitsbedarf in den ersten Lebenswochen weitgehend über die Milch der Ricke und später über den Wassergehalt der Äsung. Trocknen Kräuter und Gräser aus, sinkt dieser Wassergehalt drastisch, und gleichzeitig fällt die Milchleistung der Ricke ab, weil ihr selbst die energiereiche, saftige Äsung fehlt. Dazu kommt Hitzestress in deckungsarmen, aufgeheizten Flächen. Es ist also selten der Durst allein, sondern das Zusammenspiel aus Wassermangel, schlechterer Äsungsqualität und Wärmebelastung.

Jäger als Wasserversorger: die Hegepflicht in der Praxis

Bayerns Jäger reagieren im Rahmen ihrer gesetzlichen Hegepflicht. In vielen Revieren werden Wasserstellen neu eingerichtet oder bestehende Wildtränken regelmäßig aufgefüllt. In einem Landkreis Unterfrankens haben Jäger sogar die behördliche Genehmigung erhalten, begrenzte Mengen Wasser aus dem Main zu entnehmen, um die Wildtiere während der Dürre zu versorgen. Das zeigt, wie ernst die Lage regional eingeschätzt wird.

Der Nutzen geht dabei weit über das Schalenwild hinaus. Von den Wasserstellen profitieren nicht nur Rehe und Hasen, sondern auch zahlreiche Vogelarten, Insekten und kleinere Säugetiere, bis hin zur seltenen Kurzohrmaus. Eine gut angelegte Tränke ist damit eine der wirksamsten Artenschutzmaßnahmen, die im Revier mit geringem Aufwand umsetzbar sind.

Worauf es bei einer Wildtränke ankommt

  • Standort in Deckungsnähe: Wild nimmt eine Tränke nur an, wenn es sich dort sicher fühlt. Waldrand, Dickungsrand oder Feldgehölz sind besser als die offene Fläche.
  • Flacher Ein- und Ausstieg: Steilwandige Behälter werden für Vögel, Igel und Kleinsäuger zur Falle. Ein Ast, ein Stein oder eine schräge Rampe im Gefäß rettet Leben.
  • Schatten: In der prallen Sonne verdunstet das Wasser schnell und veralgt. Ein Standort unter Kronenschluss hält es länger nutzbar.
  • Sauberkeit: Stehendes Wasser kippt bei Hitze binnen Tagen. Regelmäßiges Ausspülen und Nachfüllen ist Pflicht, nicht Kür, sonst wird die Tränke zum Krankheitsherd.
  • Mehrere kleine statt einer großen: Verteilte Wasserstellen verringern Konzentration und damit den Infektionsdruck und erreichen mehr Arten.
  • Absprache mit dem Grundeigentümer: Anlage und Wasserentnahme sind mit Eigentümer und, bei Entnahme aus Gewässern, mit der zuständigen Behörde abzustimmen.

Ricke auf einer sommerlichen Wiese, Rehwild leidet in der Dürre unter Wassermangel und schlechter Äsungsqualität

Der Streit um die richtige Konsequenz

Interessant ist, dass die Dürre auch eine jagdpolitische Debatte ausgelöst hat. Der Bund Naturschutz in Bayern hat gefordert, angesichts der Trockenheit den Abschuss von Wildtieren zu erhöhen. Die Logik dahinter: weniger Verbiss, bessere Chancen für die natürliche Verjüngung im ohnehin gestressten Wald.

Der Bayerische Jagdverband widerspricht deutlich. BJV-Präsident Hubert Stärker hält die Forderung für nicht zielführend und verweist darauf, dass viele Wildarten bereits erhebliche Nachwuchsverluste durch die Dürre erlitten haben. Eine pauschale Erhöhung der Abschüsse könne diese Entwicklung zusätzlich verschärfen. Auch die These, eine intensivere Bejagung könne Waldbrände oder das Waldsterben verhindern, weist der Verband zurück und fordert stattdessen eine sachliche Diskussion über die tatsächlichen Ursachen der Schäden.

Gleichzeitig unterstützt der BJV den Waldumbau ausdrücklich und befürwortet die Förderung heimischer, trockenheitsresistenter Baumarten wie Traubeneiche, Stieleiche und Hainbuche. Betont wird allerdings, dass ein erfolgreicher Waldumbau Zeit, fachliche Planung und die Entscheidungsfreiheit der Waldbesitzer braucht. Stärker appelliert an den Bund Naturschutz, den Dialog mit den Jägern zu suchen, statt gegeneinander zu arbeiten.

Man muss die Position nicht teilen, um den Kern der Debatte zu erkennen: Wer den Abschuss anhebt, ohne zu wissen, wie viel Nachwuchs die Dürre bereits gekostet hat, plant im Blindflug.

Was das für deine Abschussplanung bedeutet

Nach Einschätzung des BJV müssen die Verluste künftig auch bei jagdlichen Entscheidungen berücksichtigt werden. Vor allem in stark betroffenen Regionen könne ein Ausfall des diesjährigen Nachwuchses Auswirkungen auf zukünftige Abschussplanungen haben. Das ist die praktisch relevanteste Aussage der ganzen Meldung.

Übersetzt in die Reviersprache heißt das: Ein Kitzjahrgang, der zu einem erheblichen Teil ausfällt, fehlt im Folgejahr als Schmalreh und im übernächsten Jahr als führende Ricke oder als Bock in der mittleren Altersklasse. Wer den Abschussplan schematisch aus den Vorjahreszahlen fortschreibt, plant an einer Population vorbei, die es so nicht mehr gibt. Umgekehrt gilt aber genauso: Wer den Ausfall pauschal behauptet, ohne ihn belegen zu können, wird bei der Hegegemeinschaft und bei der Unteren Jagdbehörde damit wenig erreichen.

Der Ausweg liegt in beiden Fällen in derselben Sache, nämlich in belastbaren Daten aus dem eigenen Revier.

Was du jetzt erfassen solltest

Halte gezielt fest, was dir die Dürre über deinen Bestand verrät: Fallwildfunde und ihre Fundumstände, den Anteil führender Ricken ohne Kitz oder mit nur einem statt zwei Kitzen, den Ernährungszustand des erlegten Wildes, Beobachtungen an den Tränken und die Gelege- und Kükenfunde beim Niederwild. Jede dieser Notizen mit Datum und Standort ist im Herbst bei der Streckenbesprechung mehr wert als jede Erinnerung.

Konkrete Ansatzpunkte für die kommenden Wochen

  • Tränken durchhalten: Die kritische Phase endet nicht mit dem ersten Regen. Erst wenn Äsung und Bodenfeuchte sich erholt haben, entspannt sich die Lage.
  • Kitzansprache schärfen: Achte beim Ansitz bewusst darauf, wie viele Kitze eine Ricke führt und in welcher Verfassung sie sind. Diese Beobachtung ist die einzige Feldevidenz, die du zum Kitzausfall wirklich hast.
  • Ernährungszustand dokumentieren: Aufbruchgewicht und Fettauflage beim erlegten Stück sind harte Zahlen. Über die Saison hinweg zeigen sie, wie stark ein Trockenjahr wirklich durchschlägt.
  • Früh mit der Hegegemeinschaft sprechen: Anpassungen am Abschussplan brauchen Vorlauf und Abstimmung über Reviergrenzen hinweg, gerade beim wandernden Rotwild.
  • Waldbrandgefahr mitdenken: In Trockenphasen gehören Rauchverbot im Revier, freie Zufahrten für Einsatzfahrzeuge und ein prüfender Blick beim Ansitz zur Routine.

Hege ist Datenarbeit geworden

Der Klimawandel macht aus der Hege eine Aufgabe, die sich nicht mehr allein aus Erfahrungswerten steuern lässt. Wenn sich Nachwuchsraten, Kondition und Verteilung des Wildes von Jahr zu Jahr stärker unterscheiden als früher über ein ganzes Jahrzehnt, dann ist die Frage, was im eigenen Revier tatsächlich passiert ist, nicht mehr aus dem Gedächtnis zu beantworten.

Genau hier liegt der praktische Wert einer digitalen Streckenliste. In Waidly erfasst du jede Erlegung mit Wildart, Alter, Geschlecht, Gewicht, Datum und Standort direkt vor Ort, dazu Beobachtungen, Fallwild und Revierarbeit. Am Ende der Saison hast du keine Sammlung loser Zettel, sondern einen auswertbaren Datenbestand, aus dem sich Streckenentwicklung und Abschussplanerfüllung ablesen lassen. Wer mit solchen Zahlen in die Hegeschau oder in das Gespräch mit der Jagdbehörde geht, argumentiert nicht mit Eindrücken, sondern mit Belegen.

Die Dürre 2026 wird nicht die letzte bleiben. Umso wichtiger ist es, dass die Jägerschaft belegen kann, was sie im Revier beobachtet, sowohl gegenüber den Behörden als auch in der Debatte mit dem Naturschutz. Wasser bereitstellen, sauber ansprechen, konsequent dokumentieren: Das sind die drei Dinge, die in diesem Sommer wirklich helfen.

Strecke und Beobachtungen digital im Griff

Mit Waidly führst du deine Streckenliste digital, erfasst Fallwild und Beobachtungen mit Datum und Standort und wertest die Saison auf Knopfdruck aus. So hast du bei der nächsten Abschussplanung Zahlen statt Vermutungen.

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