Agrarförderung klingt nach Brüsseler Aktenordnern und nicht nach Revier. Tatsächlich entscheidet kaum eine andere politische Weichenstellung so unmittelbar darüber, ob im Herbst noch Rebhühner im Stoppelfeld stehen. Der Deutsche Jagdverband hat am 14. August 2026 seine Stellungnahme zum Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des GAP-Direktzahlungen-Gesetzes vorgelegt und dabei deutlich gemacht, wo er die kommende Förderperiode 2028 bis 2034 gefährdet sieht. Dieser Beitrag übersetzt die Positionen in das, was sie draußen bedeuten.
Worum es geht: 16,7 Millionen Hektar Lebensraum
Mit rund 16,7 Millionen Hektar stellt die Agrarlandschaft den größten zusammenhängenden Lebensraumkomplex für zahlreiche Offenlandarten in Deutschland dar. Das betrifft nicht nur die klassischen Niederwildarten, sondern die gesamte Lebensgemeinschaft des Feldes: Feldhase, Rebhuhn, Fasan, Kiebitz, Feldlerche, Grauammer, dazu Insekten, Amphibien und Kleinsäuger. Die Bestände dieser Arten sind in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen.
Der DJV betont, dass die kommenden Anpassungen der Gemeinsamen Agrarpolitik entscheidend dafür sein werden, wie sich die ökologische Qualität dieser Landschaft in den nächsten Jahren entwickelt. Der Grund ist einfach: Direktzahlungen prägen maßgeblich die Bewirtschaftungsentscheidungen der landwirtschaftlichen Betriebe und haben damit unmittelbare Auswirkungen auf Habitatqualität, Strukturvielfalt und ökologische Stabilität. Wo eine Blühfläche stehen bleibt, wo ein Saum gemäht wird, wie breit ein Feldrain ist, hängt am Ende oft an einer Förderrichtlinie.
Öko-Regelungen, häufig Eco-Schemes genannt, sind freiwillige einjährige Umweltmaßnahmen in der ersten Säule der GAP. Landwirte erhalten zusätzliche Zahlungen, wenn sie zum Beispiel Blühstreifen anlegen, Ackerflächen extensiv bewirtschaften oder Dauergrünland ohne Dünger nutzen. Für Niederwild sind sie einer der wenigen direkt wirksamen Hebel, weil sie Struktur und Deckung dort schaffen, wo sonst nur Bestand steht.
Die Kritikpunkte des DJV im Einzelnen
Kontinuität statt Strohfeuer
In der Stellungnahme heißt es: „Strukturreiche Lebensräume entstehen nicht durch kurzfristige Programme, sondern durch langfristige Bewirtschaftungskontinuität." Wer im Revier schon einmal eine Blühfläche über mehrere Jahre begleitet hat, kennt den Effekt. Im ersten Jahr steht dort vor allem Ackerbeikraut, im zweiten und dritten entsteht die Struktur, die eine Kette Rebhühner tatsächlich durch den Winter bringt. Wird die Fläche jedes Jahr neu ausgehandelt oder fällt sie aus dem Programm, beginnt der Prozess wieder von vorn.
Absenkung auf 89 Prozent
Kritisch bewertet der DJV die Absenkung der Mittelzuweisung für 2027 auf 89 Prozent. Die Kürzung um rund 600 Millionen Euro könne zu kurzfristigen Bewirtschaftungsänderungen führen, die wertvolle Lebensräume gefährden. Der Verband fordert, die Auswirkungen dieser Absenkung klar darzustellen und die bereits umgeschichteten Mittel vollständig und wirksam für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen einzusetzen.
Auch die geplante Verschiebung von rund 600 Millionen Euro in die kommende Förderperiode sieht der Verband kritisch. Werden Mittel übertragen, müssten sie im GAP-Strategieplan klar zweckgebunden für Maßnahmen mit hoher ökologischer Wirkung verankert werden, damit sie nicht im allgemeinen Budgetdruck versickern.
Weidehaltung und Biodiversitätsmaßnahmen fallen weg
Die schärfste Kritik gilt dem Wegfall zweier geplanter Öko-Regelungen: Weidehaltung und biodiversitätsorientierte Maßnahmen. Beide Instrumente seien ökologisch hochwirksam und gleichzeitig praxistauglich, ihr Wegfall nehme Landwirten wichtige Optionen, strukturreiche Lebensräume zu schaffen. Der DJV fordert, diese Maßnahmen in der Förderperiode 2028 bis 2034 erneut aufzugreifen und prioritär zu berücksichtigen.
Die geplante Mittelaufstockung bei den verbleibenden Öko-Regelungen begrüßt der Verband, verlangt aber, sie zwingend mit einem wirkungsorientierten Monitoring zu verknüpfen. Extensiv bewirtschaftetes Dauergrünland sei ökologisch wertvoll und stärke die Vernetzung von Lebensräumen. Diese Wirkung müsse messbar dokumentiert und für die Weiterentwicklung der Maßnahmen genutzt werden.
Geld allein schafft keinen Lebensraum. Entscheidend ist, ob eine Maßnahme lange genug läuft, um Struktur entstehen zu lassen, und ob jemand hinterher nachschaut, was sie gebracht hat.
Was du im Revier daraus machen kannst
Politische Stellungnahmen sind das eine, die Fläche vor der Haustür das andere. Gerade weil die Rahmenbedingungen unsicher sind, lohnt es sich, die eigenen Möglichkeiten auszureizen. Vier Ansatzpunkte haben sich bewährt.
Das Gespräch mit den Bewirtschaftern suchen
Die wirksamsten Niederwildmaßnahmen entstehen selten durch Förderprogramme allein, sondern dort, wo Jagdausübungsberechtigte und Landwirte miteinander reden. Viele Betriebe wissen gar nicht genau, welche Öko-Regelungen für sie infrage kommen oder wo eine Maßnahme dem Wild am meisten hilft. Ein Feldrand, der ohnehin schlecht zu bewirtschaften ist, wird zur idealen Blühfläche, wenn jemand den Vorschlag macht.
Lage schlägt Fläche
Zwei Hektar Blühfläche als Block mitten im Acker bringen weniger als dieselbe Fläche als Netz aus schmalen, verbundenen Streifen entlang von Wegen, Gräben und Hecken. Niederwild braucht Verbindung, nicht Inseln. Wer plant, sollte deshalb immer die Nachbarflächen mitdenken, im Idealfall über Reviergrenzen hinweg.
Prädationsmanagement gehört dazu
Guter Lebensraum allein reicht nicht. Das zeigt unter anderem ein fünfjähriges Artenschutzprojekt in der hessischen Wetterau, das der Landesjagdverband Hessen in Kooperation mit der Hegegemeinschaft Friedberg Süd leitet und das vom hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt sowie vom DJV gefördert wird. Dort werden Lebensraumverbesserung, Prädatorenmanagement und Monitoring bewusst kombiniert, um Kiebitz, Bekassine und Rebhuhn zu schützen. Auch Amphibien und die Europäische Sumpfschildkröte profitieren davon.
Wirkung dokumentieren
Der DJV fordert wirkungsorientiertes Monitoring auf Bundesebene, und genau das ist auch im Revier der Punkt, an dem es meistens hakt. Wer eine Blühfläche anlegt, weiß nach drei Jahren oft nicht mehr genau, ob die Hasenstrecke wirklich gestiegen ist oder ob das Gefühl trügt. Belastbare eigene Zahlen sind das beste Argument gegenüber Jagdgenossenschaft, Landwirt und Behörde.
Nimm dir drei Kennzahlen vor, die du über Jahre gleich erhebst: die Niederwildstrecke je Wildart, die Zahl der Raubwildfänge und eine feste Zählstrecke im Frühjahr, die du immer zur gleichen Zeit und bei ähnlichem Wetter abgehst. Drei saubere Zahlen über fünf Jahre sagen mehr als zwanzig Zahlen über ein Jahr.
Wie lange dauert es, bis das im Revier ankommt
Die Förderperiode 2028 bis 2034 beginnt erst in gut zwei Jahren, die Weichen werden aber jetzt gestellt. Für die Praxis heißt das zweierlei. Kurzfristig ist die Absenkung der Mittelzuweisung für 2027 relevant, weil Betriebe Bewirtschaftungsentscheidungen typischerweise im Herbst zuvor treffen. Wenn eine Maßnahme wegfällt, verschwindet sie meist zur nächsten Aussaat, nicht erst zum Stichtag. Langfristig entscheidet sich in den kommenden Monaten, welche Instrumente überhaupt zur Verfügung stehen werden.
Für Jägerinnen und Jäger bedeutet das vor allem: dranbleiben und dokumentieren. Wer belegen kann, dass eine bestimmte Maßnahme im eigenen Revier gewirkt hat, liefert genau die Praxisdaten, die in solchen Verfahren fehlen. Ergänzend lohnt ein Blick auf unseren Beitrag zur Revierarbeit im Jahresverlauf, in dem die Biotopmaßnahmen zeitlich eingeordnet sind.
Niederwild und Biotopmaßnahmen dokumentieren: so unterstützt dich Waidly
Wirkungsnachweis heißt in der Praxis: über Jahre dieselben Dinge auf dieselbe Weise festhalten. Waidly ist genau dafür ausgelegt. Jeder Streckeneintrag enthält Wildart, Datum, Ort und die Details zum Stück, sodass sich die Niederwildstrecke über mehrere Jagdjahre hinweg vergleichen lässt, statt aus dem Gedächtnis geschätzt zu werden.
Über die Statistiken siehst du, wie sich Hase, Fasan und Rebhuhn im Revier entwickeln und in welchen Bereichen deine Strecke tatsächlich anfällt. Reviereinrichtungen und markante Punkte legst du mit GPS-Standort an, sodass sich auch Blühflächen, Hecken und Anlagen kartieren und über die Jahre verfolgen lassen. Alles wird automatisch gesichert und bleibt damit auch dann verfügbar, wenn eine Pachtperiode endet und Zahlen an die Nachfolger übergeben werden müssen.
Digitale Streckenliste mit Wildart, Ort und Datum, Auswertung im Mehrjahresvergleich, Reviereinrichtungen und Standorte mit GPS erfassen sowie automatisches Backup. Mehr dazu auf unserer Seite zur Revierverwaltung.
Deine Zahlen sind das beste Argument
Mit Waidly hältst du Strecke, Standorte und Reviereinrichtungen so fest, dass sich Entwicklungen über Jahre belegen lassen, gegenüber Jagdgenossenschaft, Landwirt und Behörde.
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