Die Jagdzeiten in Deutschland sind eines der komplexesten Themen für Jäger - denn sie unterscheiden sich nicht nur nach Wildart, sondern auch von Bundesland zu Bundesland. Was in Bayern erlaubt ist, kann in Niedersachsen bereits Schonzeit sein. Dieser Artikel gibt dir den kompletten Überblick.
Wie Jagdzeiten in Deutschland geregelt sind
Das System der Jagdzeiten in Deutschland ist zweistufig aufgebaut:
- Bundesjagdgesetz (BJagdG) und die Bundesjagdzeitenverordnung legen die grundsätzlichen Jagdzeiten fest. Sie gelten als Rahmen für alle Bundesländer.
- Landesjagdgesetze der einzelnen Bundesländer können diese Zeiten einschränken - also verkürzen oder bestimmte Wildarten zusätzlich unter Schutz stellen. Erweitern dürfen sie die Bundeszeiten in der Regel nicht.
Das bedeutet: Die tatsächlich geltende Jagdzeit ergibt sich immer aus der Kombination von Bundes- und Landesrecht. Wer in mehreren Bundesländern jagt, muss die jeweiligen Landesregelungen kennen.
Jagdzeiten regeln, wann eine Wildart bejagt werden darf. Ob sie bejagt werden darf, hängt zusätzlich vom Abschussplan, der Hegeverpflichtung und lokalen Regelungen ab. Eine offene Jagdzeit allein ist also noch keine Freigabe zum Abschuss.
Jagdzeiten nach Bundesjagdzeitenverordnung
Die folgenden Zeiten gelten bundesweit als Rahmen. Die Landesgesetze können abweichen - prüfe daher immer die Regelung deines Bundeslands.
Schalenwild
| Wildart | Jagdzeit (Bund) |
|---|---|
| Rotwild - Hirsche | 01.08. - 31.01. |
| Rotwild - Kahlwild | 01.08. - 31.01. |
| Rotwild - Kälber | 01.08. - 28.02. |
| Damwild - Hirsche | 01.09. - 31.01. |
| Damwild - Kahlwild | 01.09. - 31.01. |
| Damwild - Kälber | 01.09. - 28.02. |
| Rehwild - Böcke | 01.05. - 15.10. |
| Rehwild - Ricken | 01.09. - 15.01. |
| Rehwild - Kitze | 01.09. - 28.02. |
| Schwarzwild - Keiler | 16.06. - 31.01. |
| Schwarzwild - Bachen | 16.06. - 31.01. |
| Schwarzwild - Frischlinge | ganzjährig |
| Gamswild | 01.08. - 15.12. |
| Muffelwild | 01.08. - 31.01. |
* Schwarzwild-Frischlinge unter 25 kg (gestreift) sind ganzjährig bejagbar. Führende Bachen sind geschützt.
Niederwild
| Wildart | Jagdzeit (Bund) |
|---|---|
| Feldhase | 01.10. - 15.01. |
| Wildkaninchen | 01.10. - 15.02. |
| Fasan - Hähne | 01.10. - 15.01. |
| Rebhuhn | 01.09. - 15.12. |
| Stockente | 01.09. - 15.01. |
| Ringeltaube | 01.11. - 20.02. |
| Waldschnepfe | 16.10. - 15.01. |
Raubwild
| Wildart | Jagdzeit (Bund) |
|---|---|
| Fuchs | ganzjährig (Jungfüchse ab 16.06.) |
| Steinmarder | 16.10. - 28.02. |
| Baummarder | 16.10. - 28.02. |
| Iltis | 01.08. - 28.02. |
| Hermelin | 01.08. - 28.02. |
| Marderhund | ganzjährig |
| Waschbär | ganzjährig |
| Dachs | 01.08. - 31.10. |
Wo die Bundesländer abweichen
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind teils erheblich. Hier einige wichtige Beispiele:
Bayern
- Rehböcke: 01.05. - 15.10. (wie Bund)
- Gamswild: eigene Regelung für Alpenraum und Mittelgebirge
- Neu 2026: Bayern löst sich mit der Jagdgesetzreform von den Bundesjagdzeiten und kann eigene, flexible Jagdzeiten festlegen
- Schwarzwild-Bachen: Sonderregelungen für die Alpenregion
Niedersachsen
- Rehböcke: 01.05. - 15.10.
- Rotwild: regional unterschiedlich, teils nur in ausgewiesenen Rotwildgebieten
- Schwarzwild: erweiterte Bejagungsmöglichkeiten wegen hoher Bestände
Nordrhein-Westfalen
- Rehböcke: 01.05. - 15.10.
- Strenge Regelungen bei Rotwild - nur in Rotwildgebieten
- Damwild: nur in Damwildgebieten bejagbar
Baden-Württemberg
- Rehwild: Böcke 01.05. - 15.10., Ricken und Kitze 01.09. - 31.01.
- Rotwild: nur in Rotwildgebieten, streng reglementiert
- Eigene Landesjagdzeitenverordnung mit zahlreichen Abweichungen
Schleswig-Holstein
- Rehböcke: 16.05. - 15.10. (späterer Beginn als Bund)
- Damwild: eigene Regelung, weit verbreitet
- Keine Gamswild-Jagdzeit (kommt dort nicht vor)
Wer ein Revier an einer Landesgrenze hat, muss besonders aufpassen: Es gelten immer die Jagdzeiten des Bundeslandes, in dem der Schuss fällt - nicht die des Bundeslandes, in dem das Revier hauptsächlich liegt.
Schonzeiten - wann nicht gejagt werden darf
Außerhalb der Jagdzeiten gilt die Schonzeit. In dieser Zeit darf die jeweilige Wildart nicht bejagt werden. Die Schonzeit dient dem Artenschutz, der Fortpflanzung und der Aufzucht der Jungtiere.
Ausnahmen von der Schonzeit sind nur mit behördlicher Genehmigung möglich - beispielsweise bei Wildschäden, Seuchengefahr oder im Rahmen des Wolfsmanagements. Diese Ausnahmegenehmigungen werden restriktiv erteilt.
Besondere Regelungen 2026
Durch die Reform des Bundesjagdgesetzes und die bayerische Gesetzesinitiative gibt es 2026 einige Neuerungen:
- Wolf und Goldschakal wurden ins Jagdrecht aufgenommen. Konkrete Jagdzeiten stehen noch aus - bis dahin gilt ganzjährige Schonzeit. Mehr dazu in unserem Artikel zum Wolf im Jagdrecht.
- Bayern kann ab April 2026 eigene Jagdzeiten unabhängig vom Bund festlegen
- Rehwild in Bayern kann künftig ohne Abschussplan bejagt werden, wenn der Grundeigentümer zustimmt
- Invasive Arten wie Waschbär und Marderhund bleiben ganzjährig bejagbar - mit dem Ziel, die Ausbreitung einzudämmen
Jagdzeiten richtig im Blick behalten
Bei 16 Bundesländern mit jeweils eigenen Regelungen, über 50 Wildarten und regelmäßigen Gesetzesänderungen ist es praktisch unmöglich, alle Jagdzeiten im Kopf zu haben. Die klassische Lösung - laminierte Tabellen, Aushänge im Jagdhaus oder Merkblätter vom Landesjagdverband - funktioniert, ist aber umständlich und oft nicht aktuell.
Waidly enthält die Jagdzeiten aller 16 Bundesländer - immer aktuell und offline verfügbar. Du wählst dein Bundesland, siehst auf einen Blick welche Wildarten gerade Jagdzeit haben und kannst dir Erinnerungen setzen. Bei Gesetzesänderungen wird Waidly per App-Update aktualisiert. Auch als Home Screen Widget: Jagdzeiten und Büchsenlicht-Zeiten direkt auf dem Sperrbildschirm.
Häufige Fragen zu Jagdzeiten
Gelten die Bundesjagdzeiten überall?
Nein. Die Bundesjagdzeiten sind der Rahmen. Jedes Bundesland kann kürzere Jagdzeiten oder zusätzliche Schonzeiten festlegen. Maßgeblich ist immer die Landesjagdzeitenverordnung.
Was passiert, wenn ich außerhalb der Jagdzeit schieße?
Das ist Jagdwilderei und eine Straftat nach § 292 StGB. Es drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, Entzug des Jagdscheins und Einziehung der Waffe.
Darf ich Schwarzwild-Frischlinge wirklich ganzjährig bejagen?
Ja, Frischlinge (gestreiftes Schwarzwild) sind nach Bundesrecht ganzjährig bejagbar. Aber: Führende Bachen sind tabu. Und auch hier können Landesregelungen abweichen.
Was ist mit Nachtjagd?
Die Nachtjagd ist grundsätzlich erlaubt, unterliegt aber besonderen Regelungen je Bundesland. In vielen Ländern ist Schwarzwild-Nachtjagd an der Kirrung erlaubt, teils mit Nachtsichttechnik. Die Details regelt das jeweilige Landesjagdgesetz.
Wann beginnt die Jagdsaison?
Es gibt keinen einheitlichen Saisonstart. Die erste wichtige Jagdzeit beginnt am 1. Mai mit der Bockjagd auf Rehwild. Für viele Jäger ist das der gefühlte Saisonbeginn. Schwarzwild-Frischlinge und Fuchs sind allerdings ganzjährig bejagbar.
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