Jagdpraxis

Kirren: Pro und Contra, richtige Jahreszeit und rechtliche Regeln

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Kaum ein Thema wird unter Jägern so kontrovers diskutiert wie das Kirren. Für die einen ist es das wichtigste Werkzeug einer wirksamen Schwarzwildbejagung, für die anderen ein zweischneidiges Schwert, das den Bestand am Ende sogar füttert. Beide Seiten haben gute Argumente. Wer eine Kirrung betreibt, sollte deshalb wissen, was sie leistet, wo ihre Grenzen liegen, wann sie in der Saison Sinn ergibt und was rechtlich erlaubt ist. Dieser Beitrag ordnet Pro und Contra ein und zeigt, wie du eine Kirrung sauber anlegst und führst.

Kirrung ist nicht gleich Fütterung

Am Anfang steht eine Unterscheidung, die rechtlich und praktisch entscheidend ist. Eine Kirrung dient dazu, Wild mit einer kleinen Menge Futter an einen bestimmten Platz zu locken, um es dort gezielt zu bejagen. Es geht um das Anlocken und Bestätigen, nicht um das Sattmachen. Eine Fütterung dagegen soll Wild über den Winter oder in der Notzeit ernähren und arbeitet mit deutlich größeren Mengen. Genau diese Grenze ist es, an der sich die Geister scheiden, denn eine schlecht geführte Kirrung wird schnell zur heimlichen Fütterung.

Kirrung, Fütterung, Ablenkfütterung

Kirrung heißt: wenig Material, klarer Bejagungszweck, regelmäßige Kontrolle. Fütterung heißt: Ernährung des Bestands, meist stark eingeschränkt oder nur in der Notzeit erlaubt. Eine Ablenkfütterung soll Wild von gefährdeten Flächen fernhalten, etwa vom Mais. Was in deinem Revier erlaubt ist und in welchen Mengen, regelt das jeweilige Landesrecht, nicht das Bundesjagdgesetz allein.

Pro: Was für das Kirren spricht

Der stärkste Grund für die Kirrung ist die Wildschadensverhütung. Schwarzwild richtet in Landwirtschaft und Wald erhebliche Schäden an, und die Strecken müssen hoch bleiben, um den Bestand zu regulieren. Eine gut geführte Kirrung bringt das Wild berechenbar an einen Ort, an dem ein Ansitz überhaupt erst erfolgversprechend ist. Statt stundenlang auf gut Glück im Revier zu sitzen, kannst du dort ansitzen, wo Annahme herrscht.

Ein zweiter Vorteil ist die Sicherheit und Sauberkeit des Schusses. An einer Kirrung steht das Stück meist ruhig, du hast Zeit zum Ansprechen, kennst den Kugelfang und kannst warten, bis die Situation passt. Das ist gerade bei Schwarzwild wichtig, wo Muttertierschutz und das saubere Erkennen von Bache, Überläufer und Frischling über einen waidgerechten Abschuss entscheiden. Eine Kirrung erlaubt außerdem ein Monitoring: Mit einer Wildkamera siehst du, welche Stücke kommen, wie stark eine Rotte ist und wann sie wechselt.

  • Gezielte, planbare Schwarzwildbejagung und dadurch weniger Wildschäden
  • Ruhiges Stück, Zeit zum Ansprechen und sicherer Kugelfang
  • Selektive Bejagung mit Rücksicht auf den Muttertierschutz
  • Bestandseinschätzung und Kontrolle per Wildkamera
  • Wirksames Mittel, um in Zeiten hoher Schwarzwilddichte die nötigen Strecken zu erreichen

Contra: Was gegen das Kirren spricht

Der wichtigste Einwand ist ökologisch. Jedes Kilo Futter, das im Revier landet, ist zusätzliche Energie für das Schwarzwild, und Schwarzwild reagiert auf ein gutes Nahrungsangebot mit hoher Reproduktion. Wer zu viel und zu regelmäßig kirrt, füttert den Bestand, den er eigentlich reduzieren will. Aus einem Bejagungshilfsmittel wird dann ein Mastprogramm, das mehr Frischlinge in den nächsten Frühling bringt. Kirren wirkt also nur dann streckenfördernd, wenn die Menge klein bleibt und die Kirrung tatsächlich bejagt wird.

Hinzu kommt das Verhalten des Wildes. Kirrungen binden Sauen an feste Plätze und konzentrieren sie. Das erleichtert die Jagd, schafft aber auch Kontaktpunkte, an denen viele Tiere denselben Ort und dasselbe Futter nutzen. Im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest ist das ein ernstes Thema, weil solche Konzentrationen die Übertragung begünstigen können. Dazu kommen der Missbrauch als verdeckte Fütterung, der Aufwand für Anlage und Kontrolle und die grundsätzliche Debatte, ob das Anlocken mit Futter waidgerecht ist.

Nur wirksam, wenn maßvoll und bejagt

Eine Kirrung, die nur beschickt, aber selten bejagt wird, schadet mehr als sie nützt. Sie füttert, bindet Wild und erhöht die Reproduktion. Halte die Menge gering, kontrolliere die Annahme und sitze konsequent an. Wer nicht regelmäßig ansitzen kann, sollte eine Kirrung lieber nicht betreiben.

Schwarzwild-Keiler in der Dämmerung, typischer Besucher einer gut geführten Kirrung

Die richtige Jahreszeit

Kirren funktioniert nicht zu jeder Zeit gleich gut, weil es immer gegen das natürliche Nahrungsangebot konkurriert. Der Kalender entscheidet deshalb mit über den Erfolg.

Frühjahr und Frühsommer

In dieser Zeit ist das natürliche Angebot noch überschaubar, eine Kirrung wird oft gut angenommen. Gleichzeitig führen viele Bachen Frischlinge, weshalb der Muttertierschutz absolute Priorität hat. Die Kirrung hilft hier, Stücke ruhig und sicher anzusprechen, bevor der Finger krumm wird. Überläufer und Frischlinge lassen sich so gezielt und waidgerecht bejagen.

Spätsommer und Herbst

Sobald Getreide und vor allem der Mais reif werden, verliert die Kirrung im Wald an Zugkraft, weil das Feld schlicht mehr bietet. Jetzt geht es eher darum, das Wild aus dem Feld heraus zu bejagen, etwa an Schneisen oder im Rahmen der Erntejagd. Eine Kirrung am richtigen Wechsel zwischen Wald und Feld kann trotzdem als Bestätigung und Ansitzpunkt dienen. In Mastjahren mit viel Eichel und Buchecker ist Kirren dagegen oft fast wirkungslos, weil der Wald flächendeckend gedeckt ist.

Winter

Im Winter ist das natürliche Angebot knapp, eine Kirrung wird dann besonders zuverlässig angenommen. Das macht sie zu einem wirksamen Mittel, um auch in der kalten Jahreszeit Strecke zu machen. Wichtig ist die klare Abgrenzung zur Fütterung: Was in der Notzeit als Fütterung erlaubt oder geboten ist, unterliegt eigenen Regeln und darf nicht mit der Kirrung vermischt werden.

Faustregel zur Saison

Je knapper die natürliche Nahrung, desto besser wird die Kirrung angenommen. Am stärksten wirkt sie in Frühjahr und Winter, am schwächsten in der Feldfrucht- und Mastzeit. Passe Menge und Frequenz an das an, was draußen ohnehin schon wächst.

Der rechtliche Rahmen und die ASP

Kirren ist erlaubtes Handwerk, aber kein rechtsfreier Raum. Die Details regeln die Landesjagdgesetze und die dazugehörigen Verordnungen, und sie unterscheiden sich zwischen den Bundesländern zum Teil deutlich. Typische Vorgaben betreffen die Menge, das Material, den Ort und die Kennzeichnung. In der Regel ist nur eine geringe Menge pflanzliches, unbelastetes Kirrgut zulässig, oft nur wenige Liter, und tierisches Material sowie Speiseabfälle sind grundsätzlich tabu. Das Verbot, Speiseabfälle auszubringen, hat neben hygienischen auch seuchenrechtliche Gründe.

Genau hier kommt die Afrikanische Schweinepest ins Spiel. In Restriktions- und Sperrzonen gelten häufig Sonderregeln, die von strengen Beschränkungen bis zu Kirr- und Fütterungsverboten reichen, um die Konzentration von Schwarzwild zu vermeiden. Gleichzeitig wird in solchen Gebieten eine intensive Bejagung gefordert. Wer kirrt, sollte die aktuelle Lage in seinem Landkreis kennen, denn die Vorgaben ändern sich mit dem Seuchengeschehen.

Landesrecht prüfen

Menge, erlaubtes Material, Mindestabstände zu Grenzen und Wegen, Kennzeichnungspflichten und ASP-Sonderregeln unterscheiden sich je nach Bundesland und teils je nach Landkreis. Verlasse dich nicht auf allgemeine Angaben, sondern prüfe das Landesjagdgesetz, die einschlägige Verordnung und die aktuellen ASP-Allgemeinverfügungen deiner Region.

Eine Kirrung sauber anlegen und führen

Ob eine Kirrung Strecke bringt oder nur Futter verschwendet, entscheidet sich in der Praxis. Der Standort will überlegt sein: ruhig gelegen, deckungsnah, mit einem sicheren Schussfeld und mit Blick auf die Hauptwindrichtung, damit der Ansitz nicht schon beim Anwechseln verraten wird. Das Kirrgut wird sparsam ausgebracht und idealerweise so angeboten, dass die Sauen es sich erarbeiten müssen, etwa eingedrückt oder unter Steinen und Holz, damit anderes Wild und Vögel es nicht einfach abräumen.

Entscheidend ist die Kontrolle. Eine Kirrung lebt davon, dass du regelmäßig nachschaust, ob und wie sie angenommen wird, ob nachgelegt werden muss und wann die beste Ansitzzeit ist. Eine Wildkamera hilft dabei, verrät aber nur die halbe Geschichte, wenn die Beobachtungen nicht festgehalten werden. Über die Saison hinweg zeigt sich erst so, welche Kirrung wirklich läuft und welche man besser aufgibt.

  • Standort ruhig, deckungsnah, mit sicherem Kugelfang und passendem Wind
  • Wenig Kirrgut, erschwert angeboten, kein tierisches Material
  • Regelmäßig kontrollieren und die Annahme dokumentieren
  • Konsequent ansitzen, sonst wird aus der Kirrung eine Fütterung
  • Hygiene und ASP-Vorsicht beachten, besonders in Restriktionszonen
Eine Kirrung ist nur so gut wie ihre Kontrolle. Wer nicht weiß, welche Kirrung läuft, kirrt ins Blaue und füttert am Ende den Bestand, den er reduzieren will.

Kirrungen digital führen mit Waidly

Genau bei dieser Kontrolle setzt Waidly an. In der App legst du deine Kirrungen als Einrichtungen mit Standort an und stellst sie zu einer Kirrrunde zusammen. Auf einer Karte siehst du deine Kirrungen als Route und fährst sie im Fahrzeug-Modus von Kirrung zu Kirrung ab. An jeder Kirrung erfasst du mit einem Fingertipp, ob sie angenommen wurde oder nicht, und ob du nachgelegt hast.

So entsteht ganz nebenbei eine Historie. Jede Kirrung zeigt, wann sie zuletzt besichtigt und wann sie zuletzt angenommen wurde, dazu eine Annahme-Quote über die Zeit. Am Ende der Runde teilst du eine fertige Zusammenfassung, welche Kirrungen laufen und welche nicht, mit einem Tipp per WhatsApp an den Pächter oder die Mitjäger. Aus dem lästigen Abtippen wird ein Knopfdruck, und aus dem Bauchgefühl werden belastbare Daten für die Entscheidung, wo sich der Ansitz lohnt.

Deine Kirrungen im Griff, die Annahme dokumentiert

Mit der Kirrrunde in Waidly stellst du deine Kirrungen zusammen, fährst sie ab, erfasst die Annahme mit einem Tipp und teilst die Zusammenfassung per WhatsApp. Dazu Streckenliste, Jagdtagebuch, Reviereinrichtungen und mehr, direkt vom iPhone und mit Backup.

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