Wenn im Spätsommer die ersten Hasen mit dick verschwollenen Lidern und Knoten am Kopf in der Feldmark sitzen, ist das kein Zufallsbefund, sondern meist der Beginn einer Welle. Genau das passiert derzeit in Ostfriesland. Die Fachzeitschrift PIRSCH berichtete am 16. September 2026 über deutlich gestiegene Funde an Myxomatose verendeter Feldhasen in den Landkreisen Aurich und in der Stadt Emden. Das Auffällige daran: Die Welle setzt einige Wochen früher ein als im Vorjahr, also genau dann, wenn die Niederwildsaison anläuft. Dieser Beitrag ordnet ein, was Myxomatose ist, was aus Ostfriesland konkret berichtet wird und welche Konsequenzen du in deinem Revier daraus ziehen kannst.
Was in Ostfriesland gemeldet wird
Allein in Emden wurden nach dem Bericht bislang knapp 30 tote Hasen abgegeben. Der Landkreis hat dafür einen Konfiskat-Container bereitgestellt, damit die Kadaver nicht in der Landschaft bleiben. Von der Küste aus wandert das Geschehen südöstlich ins Inland. Bemerkenswert ist das Ausbreitungsmuster: Es verläuft nicht als geschlossene Front, sondern sprunghaft, mit einzelnen infektionsfreien Revieren mitten zwischen betroffenen Gebieten. Die Ursache dafür ist bislang nicht geklärt.
Die Dimension zeigt der Blick auf die Welle des Vorjahres: Von den betroffenen Besätzen überlebten 2025 schätzungsweise nur rund 25 Prozent. Ein Feldhasenbesatz, der über Jahre mühsam durch Prädatorenmanagement, Blühflächen und maßvolle Bejagung aufgebaut wurde, kann durch eine solche Welle innerhalb weniger Monate auf ein Viertel zusammenbrechen. Dass die Infektion in diesem Jahr früher startet, verlängert das Zeitfenster, in dem sich das Virus ausbreiten kann.
An der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht Dr. Ulrich Voigt unter anderem, welche Rolle Insekten bei der Übertragung spielen. Das passt zu dem, was über das Myxomavirus bekannt ist, und erklärt auch die Saisonalität der Ausbrüche.
Betroffen sind der Landkreis Aurich und die Stadt Emden. Knapp 30 abgegebene Hasen allein in Emden, Beginn der Welle einige Wochen früher als 2025, Ausbreitung von der Küste südöstlich ins Inland, Überlebensrate der Welle 2025 geschätzt rund 25 Prozent. Quelle der Angaben: PIRSCH vom 16. September 2026.
Myxomatose kurz erklärt
Myxomatose wird durch das Myxomavirus verursacht, ein Pockenvirus aus der Gattung der Leporipoxviren. Klassischer Wirt ist das Wildkaninchen, bei dem die Seuche seit Jahrzehnten für massive Bestandseinbrüche sorgt. Der Feldhase galt lange als deutlich weniger empfänglich. Seit einigen Jahren treten in Europa jedoch Ausbrüche auf, die Feldhasen in nennenswertem Umfang betreffen, und genau das erleben Niederwildreviere derzeit an der Nordseeküste.
Übertragen wird das Virus vor allem mechanisch durch blutsaugende Insekten, etwa Stechmücken und Flöhe, außerdem durch direkten Kontakt und über kontaminierte Umgebung. Das erklärt, warum die Fälle typischerweise im Spätsommer und Frühherbst gehäuft auftreten, wenn die Insektendichte hoch ist, und warum feuchte, gewässerreiche Landschaften wie die Küstenmarsch besonders betroffen sind.
Woran du einen erkrankten Hasen erkennst
Typisch sind Schwellungen und knotige Verdickungen an Kopf, Lidern, Ohrgrund, Nase und im Genitalbereich, dazu entzündete, verklebte Augen bis hin zur Erblindung. Betroffene Hasen wirken apathisch, verlieren die Fluchtdistanz, sitzen bei Tag offen in der Feldmark oder am Wegrand und lassen sich teilweise annähern. Eine Behandlung ist beim freilebenden Wild nicht möglich, der Verlauf endet meist tödlich. Für den Menschen ist das Myxomavirus nicht gefährlich, es handelt sich nicht um eine Zoonose.
Ein Hase mit Schwellungen, Knoten oder verklebten Augen zeigt bedenkliche Merkmale und darf nicht als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden. Auch wenn Myxomatose keine Gefahr für den Menschen darstellt, ist krankes Wild kein Wildbret. Erlege ein erkennbar leidendes Stück aus Tierschutzgründen, entsorge es aber über den vorgesehenen Weg, nicht über die Kühlkammer.
Die Handlungsempfehlungen aus der Praxis
Die Kreisjägermeister der betroffenen Region haben aus der Welle klare Empfehlungen abgeleitet, die sich auf jedes Niederwildrevier übertragen lassen, in dem Myxomatose auftaucht oder drohen könnte.
Verendete Hasen niemals im Revier entsorgen. Der Kadaver bleibt eine Infektionsquelle, sowohl für weitere Hasen als auch als Nahrungsgrundlage für Insekten und Aasfresser, die das Virus verschleppen. Kadaver gehören in die dafür vorgesehene Sammlung, in Emden etwa in den vom Landkreis bereitgestellten Konfiskat-Container. Wenn in deinem Landkreis noch keine solche Lösung existiert, ist das ein Gespräch mit der unteren Jagdbehörde oder dem Veterinäramt wert, bevor die Welle da ist.
Kranke Besätze nicht bejagen. Eine Treibjagd auf einen infizierten Besatz versprengt kranke Stücke über die Reviergrenze hinweg und trägt das Virus aktiv in bislang freie Flächen. Wer in einem betroffenen Revier feststellt, dass Myxomatose umgeht, stellt die Hasenjagd besser ein und beobachtet.
Gesunde Besätze in Risikoregionen dagegen bejagen. Das klingt zunächst gegenläufig, folgt aber der Seuchenlogik: Eine hohe Besatzdichte erhöht Kontaktrate und Infektionsdruck. Wer in einem noch freien Revier am Rand des Geschehens sitzt, senkt mit einer maßvollen Bejagung die Dichte und damit das Risiko eines Totalzusammenbruchs. Voraussetzung ist, dass du vorher weißt, wie viele Hasen du überhaupt hast.
Vor Jagdbeginn zählen. Ohne Besatzschätzung ist jede dieser Entscheidungen Bauchgefühl. Die Scheinwerfertaxation im Herbst liefert die Grundlage dafür, ob und in welchem Umfang du überhaupt jagen solltest. Sie ist in einem Seuchenjahr kein lästiges Monitoring, sondern die Entscheidungsgrundlage schlechthin.
Was das für die Saisonplanung heißt
Ein Kreisjägermeister aus der betroffenen Region empfiehlt, die Hasenbejagung bereits ab Mitte Dezember einzustellen. Hintergrund ist, dass in der Region schon im Februar Junghasen beobachtet wurden, die Reproduktion also früh einsetzt. Wer in einem geschwächten Besatz bis zum Ende der Jagdzeit durchjagt, greift damit unter Umständen in Stücke ein, die den Wiederaufbau tragen sollen. Ein freiwillig vorgezogener Schlussstrich ist in einem Seuchenjahr die waidgerechtere Entscheidung.
Ein zweiter, oft unterschätzter Effekt betrifft die Vermarktung. Wenn eine Myxomatose-Welle durch die Presse geht, bricht der Absatz von Hasenwildbret ein, weil Verbraucher befürchten, ein infiziertes Stück zu kaufen. Das trifft auch Reviere, deren Besatz gesund ist. Hier hilft nur offene Kommunikation: erklären, dass krankes Wild nicht in die Vermarktung gelangt, dass Myxomatose keine Zoonose ist und dass jedes vermarktete Stück von einer kundigen Person beurteilt wurde.
Fallwildfunde konsequent melden und dokumentieren, Fundort und Datum festhalten. Kadaver über die offizielle Entsorgung abgeben, nie vergraben oder liegen lassen. Herbstzählung durchführen, bevor über die Hasenjagd entschieden wird. Bei Verdacht Kontakt zur unteren Jagdbehörde und zum Veterinäramt aufnehmen. Nachbarreviere informieren, denn das Virus kennt keine Reviergrenze.
Warum Dokumentation gerade jetzt zählt
Das sprunghafte Ausbreitungsmuster in Ostfriesland ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig über die Feldhasen-Myxomatose bekannt ist. Warum bleibt ein Revier verschont, während das Nachbarrevier zusammenbricht? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn Funde systematisch erfasst werden: mit Datum, Fundort, Zustand des Stücks und ergänzenden Beobachtungen. Für die Forschung ist genau das der Rohstoff, und für dein eigenes Revier ist es die Grundlage, um in zwei Jahren zu erkennen, ob sich der Besatz tatsächlich erholt hat.
Eine Seuchenwelle im Niederwild entscheidet sich nicht an der Flinte, sondern daran, ob du weißt, wie viele Hasen du hast, wo die Funde liegen und wann du aufhörst.
Ostfriesland ist der aktuelle Brennpunkt, nicht die Ausnahme. Myxomatose bei Feldhasen ist in den vergangenen Jahren in mehreren Regionen Deutschlands aufgetreten. Wer jetzt seine Zählung sauber durchzieht, Fallwild meldet und die Bejagung an die Lage anpasst, sichert seinen Besatz für die Jahre nach der Welle.
Fallwild und Besatz digital im Blick
Genau für diese Art von Dokumentation ist die Streckenliste in Waidly gebaut. Fallwild erfasst du wie jedes andere Stück, mit Wildart, Datum, Uhrzeit und exaktem Fundort auf der Karte, und hältst im Notizfeld fest, welche Auffälligkeiten du gesehen hast. So entsteht über die Saison eine nachvollziehbare Karte der Funde, die du der Jagdbehörde oder dem Veterinäramt vorlegen kannst, ohne aus dem Gedächtnis rekonstruieren zu müssen.
Für die Auswertung liefert dir Waidly die Streckenstatistik über mehrere Jahre. Du siehst auf einen Blick, wie sich Hasenstrecke und Fallwildanteil entwickelt haben, und kannst die Entscheidung über die kommende Saison auf Zahlen stützen statt auf Erinnerung. Führst du dein Revier im Team, hält das Online-Revier alle Mitjäger auf demselben Stand, sodass ein Fallwildfund im Südteil des Reviers auch beim Kollegen im Norden ankommt.
Jeden Fund festhalten, die Entwicklung sehen
Mit Waidly dokumentierst du Strecke und Fallwild mit Ort, Datum und Notiz direkt im Revier, offline und ohne Zettelwirtschaft. Die Jahresstatistik zeigt dir, wie sich dein Niederwildbesatz wirklich entwickelt.
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