Thüringen ist von allen Bundesländern in unmittelbarer Nachbarschaft zum Seuchengeschehen bisher das mit der besten Bilanz: Bis heute ist dort kein einziger Fall von Afrikanischer Schweinepest nachgewiesen worden, obwohl mit Sachsen und Hessen gleich zwei betroffene Länder direkt angrenzen. Im September 2026 wurde bekannt, was der Freistaat sich die Prävention kosten lässt. Rund 584.000 Euro gingen im vergangenen Jagdjahr als Aufwandsentschädigung an die Jägerschaft. Der Betrag ist ein guter Anlass, das Prinzip Pürzelprämie einmal sachlich zu betrachten.
Die Zahlen aus Thüringen
Für das vergangene Jagdjahr wurden gut 1.300 Anträge mindestens teilweise bewilligt. Daraus ergab sich die Summe von rund 584.000 Euro, die als Aufwandsentschädigung für erlegtes Schwarzwild ausgezahlt wurde. Öffentlich geworden ist die Zahl durch die Antwort des Thüringer Umweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion; berichtet hat darüber unter anderem die Fachzeitschrift PIRSCH am 19. September 2026.
Die zugrunde liegende Förderrichtlinie läuft Ende September 2026 aus. Nach dem Bericht möchte die Thüringer Politik an der bisherigen Praxis aber festhalten. Wer im Freistaat jagt, sollte die Nachfolgeregelung im Blick behalten, denn Antragsfristen und Nachweisanforderungen ändern sich bei solchen Neuauflagen erfahrungsgemäß im Detail.
Pürzelprämie ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Aufwandsentschädigung, die Länder oder Landkreise für erlegtes Schwarzwild zahlen. Namensgebend ist der Pürzel, der Schwanz des Stücks, der in manchen Programmen als Nachweis vorgelegt wird. Rechtlich handelt es sich nicht um eine Kopfprämie im alten Sinne, sondern um einen Ersatz für den Mehraufwand, den eine intensive Schwarzwildbejagung verursacht.
Warum ausgerechnet Schwarzwild im Fokus steht
Das ASP-Virus verbreitet sich unter Wildschweinen vorrangig über direkten Kontakt zu infizierten Tieren, über Blut, über tierische Produkte und über Speiseabfälle. Je dichter eine Population steht, desto schneller läuft eine Infektionskette durch. Eine Reduktion des Bestandes verlangsamt die Ausbreitung und verschafft den Behörden im Ernstfall Zeit. Das ist der fachliche Kern hinter jeder Prämienregelung: Nicht die einzelne Sau zählt, sondern die Dichte über die Fläche.
Wie ernst die Lage bleibt, zeigen die aktuellen Zahlen des Deutschen Jagdverbandes. Mit Stand 21. September 2026 weist der DJV insgesamt 9.307 vom Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte, mit ASP infizierte Wildschweine in Deutschland seit Ausbruchsbeginn aus. Erstmals festgestellt wurde die Seuche am 10. September 2020 bei Wildschweinen in Brandenburg unweit der deutsch-polnischen Grenze. Sachsen ist seit dem 31. Oktober 2020 betroffen, Hessen seit dem 15. Juni 2024, Rheinland-Pfalz seit dem 9. Juli 2024, Baden-Württemberg seit dem 8. August 2024 und Nordrhein-Westfalen seit dem 15. Juni 2025.
Was eine Prämie leisten kann und was nicht
Prämienmodelle sind unter Jägern umstritten, und das aus nachvollziehbaren Gründen. Die Argumente dafür sind handfest: Intensive Schwarzwildbejagung kostet Zeit, Munition, Sprit, Kühlkapazität und im Zweifel Wildbret, das sich nicht vermarkten lässt. Wer in der Saison drei Nächte pro Woche auf Sauen sitzt, hat reale Ausgaben. Eine Aufwandsentschädigung gleicht einen Teil davon aus und hält die Bereitschaft hoch, auch dann weiterzumachen, wenn es mühsam wird.
Ebenso ernst zu nehmen sind die Einwände. Eine Prämie darf nicht dazu verleiten, waidgerechte Grundsätze zu schleifen. Der Schuss auf ein Stück, das nicht sauber angesprochen wurde, bleibt falsch, egal welcher Betrag dahintersteht. Ebenso wenig darf Prämienjagd dazu führen, dass führende Bachen fallen oder Rotten unkontrolliert gesprengt werden, was die Reproduktion langfristig sogar begünstigen kann. Wirksam ist die Schwarzwildbejagung dort, wo sie planvoll erfolgt: Schwerpunkt auf Frischlinge und Überläufer, konsequent revierübergreifend abgestimmt, mit Ruhe im Revier zwischen den Ansitzen.
Die ASP ist keine Zoonose und für den Menschen ungefährlich. Verschleppt wird das Virus aber sehr leicht über Kleidung, Schuhe, Messer, Handschuhe und Fahrzeuge. Halte Aufbruchplätze sauber, reinige und desinfiziere dein Gerät nach jedem Stück, wechsle Kleidung nach der Jagd in einem Restriktionsgebiet und lass Aufbruch niemals im Revier liegen. Ein einziger unachtsamer Transport kann eine Region infizieren.
Totes Wildschwein gefunden: der wichtigste Handgriff
Für die Früherkennung ist der Fallwildfund wertvoller als jede Strecke. Der DJV bittet deshalb ausdrücklich darum, Schwarzwildkadaver in jedem Fall zu melden. Meldungen über die App des Tierfund-Katasters erreichen direkt das Friedrich-Loeffler-Institut und gehen von dort an das zuständige Veterinäramt. So können die Behörden im Ernstfall schnell reagieren, statt erst Wochen später von einem Geschehen zu erfahren.
Praktisch heißt das: Kadaver nicht berühren, nicht bewegen, die Fundstelle möglichst genau mit Koordinate festhalten, fotografieren und melden. Wer selbst Hand anlegt, riskiert die Verschleppung und macht die Probenahme schwieriger. In vielen Ländern gibt es zusätzlich eine eigene Aufwandsentschädigung für gemeldetes Fallwild, weil der Fund für die Seuchenüberwachung so wertvoll ist.
Die beste Prämie ist die, die man nie in Anspruch nehmen muss, weil die Seuche gar nicht erst ankommt. Bis dahin sind Strecke, Hygiene und Kadavermeldung die drei Hebel, die Jäger tatsächlich in der Hand haben.
Der Nachweis ist der Knackpunkt
Wer eine Aufwandsentschädigung beantragt, braucht belastbare Angaben. Je nach Programm werden Erlegungsdatum, Revier, Wildart, Altersklasse, Geschlecht und häufig auch die Wildursprungsschein- oder Trichinenprobennummer verlangt. Wer diese Daten erst am Antragstichtag aus dem Gedächtnis zusammensucht, verliert Einträge, und genau dort entstehen die teilweise abgelehnten Anträge.
Der einzige zuverlässige Weg ist, den Eintrag unmittelbar nach dem Erlegen anzulegen, nicht am nächsten Morgen und schon gar nicht am Monatsende. Direkt am Stück sind alle Angaben präsent: Uhrzeit, Ort, Ansprechergebnis, Gewicht, Verwendung des Wildbrets. Ein Eintrag, der zehn Minuten nach dem Schuss steht, ist ein Nachweis. Ein Eintrag, der aus der Erinnerung rekonstruiert wird, ist eine Schätzung.
Datum und Uhrzeit der Erlegung, Revier und möglichst genaue Position, Wildart mit Altersklasse und Geschlecht, aufgebrochenes Gewicht, Nummer des Wildursprungsscheins, Datum und Nummer der Trichinenprobe, Verbleib des Wildbrets sowie ein Foto vom Stück. Wer diese acht Angaben konsequent erfasst, kann jeden Antrag ohne Nachfragen ausfüllen.
Strecke und Nachweise digital führen: so unterstützt dich Waidly
Genau für diesen Arbeitsschritt ist Waidly gemacht. Du legst den Streckeneintrag direkt am Stück an, mit Wildart, Alter, Geschlecht, Gewicht, Datum, Uhrzeit und der exakten Position aus dem GPS deines iPhones. Das funktioniert auch ohne Empfang, denn die App arbeitet offline und synchronisiert später. Fotos hängst du an den Eintrag, sodass das Stück später eindeutig zuzuordnen ist.
Für Schwarzwild sind die Zusatzfelder entscheidend: Wildursprungsschein und Trichinenprobe gehören zum Eintrag, nicht auf einen Zettel im Handschuhfach. Am Ende des Jagdjahres exportierst du die Strecke als Auswertung und hast alle Angaben beisammen, die für Streckenmeldung, Abschussnachweisung und einen Antrag auf Aufwandsentschädigung gebraucht werden. Im Online-Revier sehen alle Mitjäger denselben Stand, sodass revierübergreifende Schwerpunktbejagung planbar wird statt auf Zuruf zu laufen.
Jede Sau sauber dokumentiert
Mit Waidly erfasst du Schwarzwildstrecke, Wildursprungsschein und Trichinenprobe direkt im Revier, offline und mit Position. Auswertung und Export liefern dir den Nachweis, den Streckenmeldung und Prämienantrag verlangen.
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