Wer im Herbst mit dem Scheinwerfer über die Felder fährt und Hasen zählt, kennt den Ablauf danach: Zahlen auf den Papierbogen übertragen, Bogen ausfüllen, abschicken, warten. Damit ist bald Schluss. Der Deutsche Jagdverband hat am 28. August 2026 mitgeteilt, dass die Datenbank des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands, kurz WILD, eine neue Funktion bekommt: Ab Anfang Oktober 2026 lassen sich die Ergebnisse der Feldhasenzählung in Referenzgebieten auch online eingeben, zum Beispiel über Tablet, Laptop oder Smartphone. Registrieren kann man sich bereits jetzt auf wild.jagdverband.de.
Das klingt nach einer technischen Kleinigkeit, ist aber für die Niederwildhege ein größerer Schritt, als es auf den ersten Blick wirkt. Denn die Qualität einer bundesweiten Zeitreihe hängt nicht nur daran, wie sauber draußen gezählt wird, sondern auch daran, wie verlustfrei die Zahlen in die Auswertung kommen. Dieser Beitrag ordnet die Neuerung ein, erklärt die Methode dahinter und zeigt, was das für deine Herbstzählung bedeutet.
WILD steht für Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands. Mit diesem Monitoring dokumentieren Jägerinnen und Jäger seit 2001 die bundesweite Entwicklung der Feldhasenbestände. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werten die Daten anschließend aus. Es ist damit eines der größten und langlebigsten Wildtiermonitorings, das ehrenamtlich getragen wird.
Was sich konkret ändert
Für die bereits über 400 bestehenden Referenzgebiete gilt: Sobald die Funktion in der Datenbank freigegeben ist, können die Verantwortlichen ihre Zählergebnisse direkt online eingeben. Es braucht dafür keinen neuen Antrag und keine Umstellung des Gebiets, nur einen Zugang zur Datenbank.
Wichtig für alle, die dem Papier treu bleiben wollen: Das Monitoring mithilfe des klassischen Papierbogens bleibt weiterhin möglich. Der DJV stellt hier also keine Bedingung, sondern eine zusätzliche Option. Wer nachts mit klammen Fingern lieber auf einem Klemmbrett strichelt und die Zahlen später in Ruhe überträgt, kann das genauso weitermachen wie bisher.
Neu ist außerdem der Weg für Reviere, die bisher gar nicht dabei sind. Wer ein neues Referenzgebiet für die Feldhasenzählung beantragen will, kann das künftig online mit wenigen Klicks erledigen. Der zuständige WILD-Länderbetreuer nimmt danach Kontakt auf, um die Zählstrecken vor Ort gemeinsam festzulegen. Diese persönliche Abstimmung bleibt also erhalten, und das ist gut so, denn die Streckenführung entscheidet mit darüber, ob die Zahlen später vergleichbar sind.
Die Landesjagdverbände in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nutzen für die Erfassung eigene Plattformen. Wer dort jagt, meldet seine Zählung also nicht über wild.jagdverband.de, sondern über das jeweilige Landesportal. Bei Unsicherheiten hilft der zuständige WILD-Länderbetreuer weiter.
Scheinwerfertaxation: warum die Methode so streng ist
In die bundesweite Auswertung fließen ausschließlich Feldhasenzählungen mit genormten Scheinwerfern ein. Das wirkt auf den ersten Blick kleinlich, hat aber einen klaren Grund: Nur wenn alle mit vergleichbarer Technik, auf festgelegten Strecken und nach demselben Schema zählen, sind die Ergebnisse über Reviere und über Jahre hinweg überhaupt vergleichbar. Diese in der Wissenschaft etablierte Methode stellt sicher, dass Zählergebnisse und Trends der vergangenen 25 Jahre und darüber hinaus bundesweit nebeneinandergelegt werden können.
Der Ablauf ist denkbar einfach und trotzdem erstaunlich zuverlässig. Bundesweit zählen Jägerinnen und Jäger in mehreren hundert Referenzgebieten Feldhasen, und zwar nachts mit normierten Scheinwerfern auf festgelegten Strecken im Offenland. Die Augen der Hasen reflektieren das Licht arttypisch, sodass eine Unterscheidung von anderen nachtaktiven Tieren wie dem Fuchs leichtfällt. Gezählt wird möglichst zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, und das über mehrere Jahre hinweg.
Genau in dieser Wiederholung liegt der Wert. Eine einzelne Zählung sagt wenig, weil Witterung, Bewuchs und Zufall mitspielen. Erst die Reihe über viele Jahre zeigt, ob ein Bestand wächst, stagniert oder einbricht. Wer also überlegt, ob sich der Aufwand lohnt: Der Nutzen entsteht nicht nach der ersten Nacht, sondern nach der fünften Saison.
Wie es dem Feldhasen tatsächlich geht
Die Datenlage widerspricht dem verbreiteten Bild vom überall verschwindenden Feldhasen. Die Frühjahrszählungen 2025 in über 400 Referenzgebieten ergaben im Bundesdurchschnitt 19 Feldhasen pro Quadratkilometer Feld und Wiese. Das ist über ein Viertel mehr als vor zwei Jahrzehnten. Die Daten für den Feldhasen aus über zwei Jahrzehnten zeigen damit einen leicht positiven Trend.
Regional sind die Unterschiede allerdings erheblich. Besonders viele Feldhasen gab es mit 30 Tieren pro Quadratkilometer im Nordwestdeutschen Tiefland. Wer sein eigenes Revier einordnen will, sollte deshalb nicht nur den Bundesdurchschnitt heranziehen, sondern die Zahlen der eigenen Naturraumgruppe. Ein Revier mit zwölf Hasen pro Quadratkilometer kann in der einen Landschaft unterdurchschnittlich und in der anderen ein gutes Ergebnis sein.
Ein positiver Bundestrend bedeutet nicht, dass es dem Hasen überall gut geht. Der Feldhase reagiert empfindlich auf Witterung im Frühjahr, auf Prädationsdruck und vor allem auf die Struktur der Feldflur. Ein nasskalter April, eine ausgeräumte Landschaft oder ein hoher Beutegreiferbesatz können den Besatz im einzelnen Revier deutlich unter den Durchschnitt drücken, auch wenn die bundesweite Kurve nach oben zeigt.
Warum die Umstellung mehr ist als Bequemlichkeit
Ein Papierbogen hat einen Nachteil, den jeder kennt, der schon einmal einen Ordner durchsucht hat: Er kann liegen bleiben. Zwischen der Zählnacht und der Auswertung liegen beim analogen Weg mehrere Schritte, in denen Daten verzögert eingehen oder gar nicht ankommen. Wenn die Zahlen dagegen noch im Auto oder spätestens am Küchentisch ins System wandern, sinkt diese Hürde deutlich.
Für ein Monitoring, das von Ehrenamt lebt, ist das entscheidend. Jede Zählung, die nicht in der Datenbank landet, fehlt in der Auswertung und schwächt damit die Aussagekraft für alle. Und die Aussagekraft ist kein Selbstzweck: Belastbare Bestandszahlen sind das Argument, mit dem Jägerinnen und Jäger in Diskussionen über Agrarförderung, Flächennutzung, Prädatorenmanagement oder Schonzeiten bestehen. Wer nur Eindrücke hat, argumentiert gegen Zahlen. Wer eigene Zahlen hat, argumentiert auf Augenhöhe.
Dazu kommt ein praktischer Punkt: Die Online-Eingabe erlaubt es, Ergebnisse zeitnah zu erfassen, statt sie aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Wer zwei Zählstrecken in einer Nacht abfährt und die Zahlen erst am Wochenende überträgt, kennt das Risiko der Verwechslung. Der DJV stellt zur Einarbeitung ein Tutorial-Video bereit, das die Online-Erfassung Schritt für Schritt zeigt.
Was du jetzt tun kannst
Die Herbstzählung steht unmittelbar bevor, und die Umstellung kommt damit zum passenden Zeitpunkt. Wenn dein Revier bereits ein Referenzgebiet ist, lohnt sich jetzt die Registrierung auf wild.jagdverband.de, damit der Zugang steht, bevor die Funktion freigeschaltet wird. Wer erst im Oktober anfängt, sich um Zugangsdaten zu kümmern, verschiebt die Eingabe erfahrungsgemäß auf später.
Falls dein Revier noch nicht dabei ist, ist der Herbst ein guter Moment, das zu ändern. Ein Referenzgebiet lässt sich künftig online beantragen, und der Länderbetreuer legt die Zählstrecken danach gemeinsam mit dir fest. Voraussetzung ist im Wesentlichen genügend Offenland, eine befahrbare Strecke und die Bereitschaft, die Zählung über mehrere Jahre durchzuhalten.
Und unabhängig davon, ob du an WILD teilnimmst: Die Methode dahinter lohnt sich auch im Kleinen. Wer im eigenen Revier zweimal im Jahr dieselbe Strecke abfährt, dieselbe Technik nutzt und die Zahlen sauber notiert, hat nach ein paar Jahren eine belastbare Kurve für die eigene Hege. Das ist weit mehr wert als das Gefühl, dass es "gefühlt weniger Hasen" gibt.
Wildtiermonitoring lebt nicht von der einzelnen spektakulären Beobachtung, sondern von der langweiligen Beharrlichkeit: dieselbe Strecke, dieselbe Methode, Jahr für Jahr.
Beobachtungen sauber dokumentieren mit Waidly
Die offizielle Zählung gehört in die WILD-Datenbank oder in das Portal deines Landesjagdverbands, daran ändert sich nichts. Daneben lohnt es sich aber, das eigene Revierwissen an einer Stelle zu bündeln, statt es über Notizzettel, Kalender und Erinnerung zu verteilen. Genau dafür ist das digitale Jagdtagebuch in Waidly gebaut.
Du erfasst Beobachtungen direkt draußen, mit Zeitpunkt und Ort, und machst sie so über die Saison und über die Jahre hinweg vergleichbar. Strecke, Fallwild und Beobachtungen liegen gemeinsam im Jagdtagebuch, sodass sich Entwicklungen im Niederwildbesatz nachvollziehen lassen, ohne alte Hefte zu durchsuchen. Alles funktioniert offline, denn genau dort, wo nachts gezählt wird, ist der Empfang meist am schlechtesten.
Halte deine Zählstrecke und die zugehörigen Beobachtungen direkt im Revier fest, mit Datum, Uhrzeit und Position. So hast du die Zahlen am nächsten Morgen unverfälscht zur Hand, wenn du sie in die WILD-Datenbank überträgst, und gleichzeitig eine eigene Zeitreihe für dein Revier.
Dein Revierwissen an einer Stelle
Mit Waidly dokumentierst du Strecke, Fallwild und Beobachtungen offline direkt im Revier und behältst die Entwicklung deines Niederwilds über die Jahre im Blick. So hast du belastbare Daten zur Hand, wenn es um Hege, Abschussplanung und Artenschutz geht.
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