Deutschland ist ein Jagdparadies. Mit einer vielfältigen Wildtierpopulation bietet unser Land Jägern zahlreiche Möglichkeiten, vom majestätischen Rothirsch bis zum flinken Hasen. Doch welche Wildarten gibt es eigentlich, und wann darf man sie bejagen?
In diesem Überblick stellen wir die wichtigsten Wildarten vor, die in deutschen Revieren vorkommen. Ob Jungjäger oder erfahrener Waidmann, ein fundiertes Wissen über unser Wild ist die Grundlage jeder verantwortungsvollen Jagd.
Schalenwild, Die Krone der deutschen Jagd
Als Schalenwild bezeichnet man alle Paarhufer, die dem Jagdrecht unterliegen. Sie sind für viele Jäger das Herzstück der Jagd und stellen besondere Anforderungen an Können und Geduld.
Rehwild (Capreolus capreolus)
Jagdzeit: 1. Mai, 31. Januar (variiert)Das Reh ist die häufigste Schalenwildart in Deutschland und kommt flächendeckend vor. Mit einem Bestand von etwa 2 Millionen Tieren ist es die wichtigste Wildart für die meisten Reviere. Böcke werden ab Mai bejagt, Ricken und Kitze erst später im Jahr. Die genauen Jagdzeiten variieren je nach Bundesland erheblich.
Wildschwein / Schwarzwild (Sus scrofa)
Jagdzeit: Ganzjährig (mit Einschränkungen)Das Schwarzwild hat sich in den letzten Jahrzehnten stark vermehrt. Keiler und Überläufer können grundsätzlich ganzjährig bejagt werden. Für Bachen mit Frischlingen gelten besondere Schonzeiten. Die Bejagung ist besonders wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) von großer Bedeutung.
Rotwild (Cervus elaphus)
Jagdzeit: 1. August, 31. Januar (variiert)Der Rothirsch ist das größte heimische Wildtier und kommt hauptsächlich in den Mittelgebirgen, den Alpen und einigen Tieflandrevieren vor. Die Brunft im September/Oktober ist ein besonderes Naturschauspiel. Die Bejagung erfordert viel Erfahrung und ist in manchen Regionen stark reglementiert.
Damwild (Dama dama)
Jagdzeit: 1. September, 31. Januar (variiert)Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, ist das Damwild heute in vielen deutschen Revieren heimisch. Es ist etwas kleiner als Rotwild und zeichnet sich durch sein schaufelförmiges Geweih aus. Damwild ist weniger scheu und kommt oft in parkähnlichen Landschaften vor.
"Die Jagdzeiten für Schalenwild variieren stark zwischen den Bundesländern. Ein Blick in die jeweilige Landesjagdverordnung ist unverzichtbar."
Niederwild, Vielfalt im Revier
Zum Niederwild zählen kleinere Wildarten wie Hasen, Fasane und Rebhühner. Die Niederwildjagd hat in Deutschland eine lange Tradition, steht aber vor besonderen Herausforderungen durch veränderte Lebensräume.
Feldhase (Lepus europaeus)
Jagdzeit: 1. Oktober, 31. DezemberDer Feldhase ist ein typischer Bewohner der offenen Feldflur. Seine Bestände haben in den letzten Jahrzehnten regional stark abgenommen. Die Bejagung erfolgt traditionell im Rahmen von Treibjagden. Viele Reviere haben die Hasenjagd freiwillig eingestellt, um die Bestände zu schonen.
Fasan (Phasianus colchicus)
Jagdzeit: 1. Oktober, 15. JanuarDer ursprünglich aus Asien stammende Fasan ist heute ein fester Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft. Hähne erkennt man am prächtigen Federkleid, Hennen sind unscheinbarer gefärbt. Die Fasanenjagd ist besonders bei Gesellschaftsjagden beliebt.
Rebhuhn (Perdix perdix)
Jagdzeit: 16. September, 30. November (oft ganzjährig geschont)Das Rebhuhn gehört zu den am stärksten bedrohten Wildarten Deutschlands. Die Bestände sind um über 90% zurückgegangen. In vielen Bundesländern besteht daher eine ganzjährige Schonzeit. Wo noch Bestände vorhanden sind, wird das Rebhuhn oft durch Hegemaßnahmen unterstützt.
Lebensraumschutz für Niederwild
Der Schutz und die Verbesserung von Lebensräumen ist für Niederwild entscheidend. Blühstreifen, Hecken und extensiv bewirtschaftete Flächen bieten Deckung und Nahrung. Viele Jäger engagieren sich aktiv im Lebensraummanagement.
Raubwild, Wichtig für das Gleichgewicht
Die Bejagung von Raubwild, auch Prädatoren genannt, ist ein wichtiger Teil des Wildtiermanagements. Sie dient dem Schutz von Niederwild und bodenbrütenden Vögeln.
Rotfuchs (Vulpes vulpes)
Jagdzeit: Ganzjährig (mit Einschränkungen für Welpen)Der Fuchs ist der häufigste Beutegreifer in Deutschland und kommt sowohl auf dem Land als auch in Städten vor. Er ist ein wichtiger Gesundheitspolizist, kann aber auch Schäden an Niederwildbeständen und Geflügelhaltungen verursachen. Die Baujagd und Ansitzjagd sind typische Jagdmethoden.
Dachs (Meles meles)
Jagdzeit: 1. August, 31. Oktober (variiert stark)Der Dachs lebt in unterirdischen Bauten und ist vorwiegend nachtaktiv. Er ist ein Allesfresser und spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Jagd auf den Dachs hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, ist aber in vielen Bundesländern weiterhin möglich.
Marder (Steinmarder & Baummarder)
Jagdzeit: 16. Oktober, 28. Februar (variiert)In Deutschland kommen zwei Marderarten vor: Der Steinmarder, der oft in Siedlungsnähe lebt und für Autokabel-Schäden bekannt ist, und der scheue Baummarder im Wald. Beide Arten werden mit Fallen oder bei der Baujagd bejagt.
Jagdzeiten, Was Jäger wissen müssen
Die Jagdzeiten in Deutschland sind komplex. Das Bundesjagdgesetz legt Rahmenzeiten fest, die von den Bundesländern angepasst werden können. Das bedeutet:
- 16 verschiedene Landesjagdgesetze mit unterschiedlichen Regelungen
- Abweichende Jagdzeiten für die gleiche Wildart je nach Bundesland
- Regionale Schonzeiten und Besonderheiten
- Jährliche Änderungen durch neue Verordnungen
"Als Jäger muss man immer die aktuellen Jagdzeiten seines Bundeslandes kennen. Ein Verstoß kann ernsthafte Konsequenzen haben."
Wichtig zu beachten
- Jagdzeiten gelten nur als Rahmen, nicht jedes Wild in Jagdzeit darf erlegt werden
- Muttertiere mit unselbstständigen Jungen sind immer zu schonen
- Abschusspläne und Reviervereinbarungen beachten
- Nachtjagd ist nur für bestimmte Wildarten erlaubt
Fazit: Wissen ist die Grundlage
Die Kenntnis der heimischen Wildarten und ihrer Jagdzeiten ist für jeden Jäger unverzichtbar. Sie ist nicht nur rechtlich erforderlich, sondern auch Ausdruck von Respekt gegenüber dem Wild und der Natur.
Die deutsche Jagdlandschaft ist vielfältig, von den Küsten bis zu den Alpen, von der Feldflur bis zum Hochwald. Jedes Revier hat seine eigenen Besonderheiten und Wildarten. Als Jäger tragen wir Verantwortung für die nachhaltige Nutzung und den Erhalt dieser Vielfalt.
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