Wenn der Mais vertrocknet, bleibt in der Biogasanlage der Fermenter hungrig. Genau das haben viele Landwirte im Dürresommer 2026 erlebt. Am 29. September 2026 hat der Deutsche Jagdverband (DJV) gemeinsam mit der Deutschen Wildtier Stiftung und der Veolia Stiftung Ergebnisse aus dem Projekt „Bunte Biomasse“ vorgestellt: Mehrjährige Wildpflanzenmischungen liefern Biogas und halten Trockenheit besser aus. Für Jäger ist das mehr als ein Agrarthema, denn es geht um Deckung, Äsung und Lebensraum im Revier.
Das Projekt „Bunte Biomasse“
Das Projekt lief von 2019 bis 2024. Die drei Partner haben bundesweit rund 550 Hektar mehrartige Wildpflanzenkulturen angelegt und untersucht, was sie als Energiepflanze leisten. Das Ergebnis laut Projektpartnern: Die Mischungen erzielen hohe Biomasseerträge und sind gegenüber einjährigen Kulturen deutlich trockenheitsrobuster. Auch die Akzeptanz bei den beteiligten Landwirten bewertet das Projekt als gut.
Die Projektpartner verweisen ausdrücklich auf die Trockenheit des Sommers 2026. Gerade in einem solchen Jahr zeige sich der wirtschaftliche Vorteil der Wildpflanzen gegenüber dem Mais.
Nutzen für Boden und Natur
Neben dem Ertrag nennt das Projekt ökologische Vorteile: Wildpflanzenkulturen schützen den Boden vor Erosion, fördern die Humusbildung und verringern die Auswaschung von Nährstoffen. Diese Effekte seien in der Dürre 2026 besonders deutlich geworden. Für das Wild sind mehrjährige, vielfältige Bestände ein Gewinn, denn sie bieten über lange Zeit Deckung und Nahrung, wo sonst ein Maisacker nach der Ernte kahl daliegt. Das ist die Brücke zur Jagd, auch wenn das Projekt selbst vor allem Energie, Boden und Artenvielfalt in den Blick nimmt.
Die Forderungen: Maisdeckel und GAP 2028
Aus den Ergebnissen leiten die Partner zwei politische Forderungen ab:
- Maisdeckel beibehalten: Der Anteil von Mais im Substratmix der Biogasanlagen soll weiter begrenzt bleiben, damit ökologische Alternativen eine Chance haben.
- Förderung in der ersten Säule der GAP 2028 verankern: Wildpflanzenbiogas soll bundesweit einheitlich in der ersten Säule der Agrarförderung unterstützt werden, statt nur über einzelne Länderprogramme.
Mehr zur Debatte um die künftige Agrarförderung und ihre Folgen für Niederwild und Feldflur findest du in unserem Beitrag zur GAP 2028 und der Agrarförderung für Niederwild.
Das Zitat aus dem DJV
Klima- und Artenschutz müssen sich nicht widersprechen. Wildpflanzenbiogas zeigt, dass beides gemeinsam voranschreiten kann. (sinngemäß nach Dr. Carsten Scholz, DJV-Vizepräsident)
Die Projektpartner sehen Biodiversität damit als möglichen dritten Einkommensbaustein landwirtschaftlicher Betriebe, neben Nahrungsmitteln und Energie. Ob sich das im Betrieb rechnet, hängt allerdings an der Förderung, und genau hier setzen die Forderungen an.
Was das für dein Revier bedeuten kann
Für die praktische Revierarbeit lassen sich daraus ein paar Anknüpfungspunkte ableiten, bei denen du selbst aktiv werden kannst:
- Gespräch mit Landwirten: Frag Betriebe mit Biogasanlage, ob Wildpflanzenmischungen eine Option sind. Das Projekt zeigt, dass sie funktionieren können.
- Flächen erfassen: Halte mehrjährige Blühflächen und Wildpflanzenbestände in deinem Revier fest, damit du ihre Wirkung auf Wildbesatz und Strecke über die Jahre beobachten kannst.
- Bejagung anpassen: Dichte Wildpflanzenbestände bieten Deckung. Das kann Sichtbedingungen und Bewegungsjagdplanung verändern, auch bei Schwarzwild.
- Politik im Blick behalten: Maisdeckel und GAP 2028 entscheiden darüber, wie viel Lebensraum künftig entsteht.
Ob ein neuer Wildpflanzenbestand deinem Revier nützt, siehst du an deinen eigenen Zahlen. Wer Strecke und Beobachtungen konsequent festhält, kann Veränderungen nach der Anlage neuer Flächen belegen und im Gespräch mit Landwirten und Behörden mit Fakten argumentieren.
Das Projekt „Bunte Biomasse“ zeigt: Energie, Klimaanpassung und Lebensraum lassen sich verbinden. Ob daraus eine breite Praxis wird, entscheidet sich bei der Ausgestaltung des Maisdeckels und der Agrarförderung ab 2028. Jäger haben dabei etwas einzubringen, nämlich Revierkenntnis und Daten.
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